Katzenkrankheiten

Einige Krankheitssymptome:

    - Durchfall oder Verstopfung
    - Probleme beim Wasserlassen
    - Verfärbter Urin oder Stuhl
    - Ausfluss aus Nase und Augen
    - Temperatur über 39,2 oder unter 37,8° Celsius
    - Plötzliche Unsauberkeit ohne erkennbaren Grund
    - Veränderte Fressgewohnheiten (mehr oder weniger Nahrung, mehr Flüssigkeit)
    - Verändertes Verhalten (sehr ruhig, zurückgezogen, nervös, gereizt)
    - Hautausschlag und Haarausfall
    - Nickhaut (Augenlid) ist vorgefallen

     

Sollte eines oder mehrere der Symptome zutreffen, ist ein Arztbesuch unvermeidbar, allerdings sollten die Symptome nur dann als solche erkannt werden, wenn sie untypisch für das Verhalten ihres Tigers sind (z.B. das "Hängenlassen" der Nickhaut, kann auch einfach nur absolute Entspannung bedeuten.)



Panleukopenie / Katzenseuche                                Chlamydien (Chlamydiose)
Katzenschnupfen                                                        PKD - Polycystic Kidney Disease
Katzenleukose / FeLV                                               Mikrosporie bei Katzen
Aids / FIV                                                                    Giardien 
Feline Infektiöe Peritonitis (FIP)                               Niereninsuffizienz
Tollwut                                                                          Aujeszkysche Krankheit
Tetanus bei Katzen                                                    HCM hypertrophe Kardiomyopathie
Toxoplasmose                                                            HD Hüftgelenksdysplasie
SMA Spinale Muskelatrophie                                   Gingivitis
Blutgruppen bei Katzen                                             Feline Infektiöse Anämie
Felines Herpesvirus (FHV-1)                                    Feline Fibroadenomatose

Katzenakne / Kinnakne                                              Psychogene Leckalopezie
Kongentiales Vestibularsyndrom                              Entropium / Ektropium
Malignes Lymphom                                                    Diskoider Lupus erythematodes
Ischämische Myopathie                                             Fibrosarkom
Thiaminmangel-Enzephalopathie                            
Feline Hyperthyreose

Kippfenster-Syndrom                                                 Lungenwürmer
Felines Asthma-Syndrom (FAS)                              Schilddrüsenüberfunktion

 



Panleukopenie / Katzenseuche

(Infektiöse Feline Panleukopenie, feline Parvovirose) der Erreger dieser Krankheit ist das Panleukopenie-Virus, ein sehr widerstandsfähiges, hochansteckendes Virus. Mit sämtlichen Körperausscheidungen wie Kot, Harn, Speichel usw. wird es ausgeschieden. Die Ansteckung erfolgt von Tier zu Tier, durch Futternäpfe, Katzenkörbe, Käfige und Toiletten, und oft auch über den Menschen, z.B. über die Schuhe. Nach einer Inkubationszeit von 4-6 Tagen tritt dann hohes Fieber 41° Celsius und mehr auf. 

Symptome
sind Erbrechen, auch wenn der Magen schon leer ist, Appetitlosigkeit sowie große Schwäche und Abgeschlagenheit, die Katze will an einer kühlen Stelle z.B. auf dem Fliesenboden liegen. Sie geht oft zum Trinknapf, ohne zu trinken. Die Katzen haben Schmerzen und verkriechen sich. Selbst mit Behandlung können die erkrankten Katzen sterben, besonders junge Katzen. Die Behandlung ist selbstverständlich Sache des Tierarztes, es darf keine Zeit verloren werden. Kranke Tiere sind in jedem Fall - wie auch bei allen anderen Infektionskrankheiten - von anderen Katzen zu trennen. Ihre Katze braucht in dieser Zeit besonders viel Liebe und Zuwendung. Von der Katzenseuche genesene Katzen, aber auch Katzen, die infiziert wurden, ohne dass es zum Ausbruch der Krankheit kommt, können das Virus noch lange ausscheiden und dadurch verbreiten. In der Wohnung und draußen kann es sich noch Wochen bis Monate halten. Der beste Schutz ist die rechtzeitige Impfung mit 8 Wochen und regelmäßige Impfauffrischungen.



Katzenschnupfen

Katzenschnupfen wird durch eine Vielzahl von ansteckenden Viren der Luftwege verursacht, man spricht auch vom Katzenschnupfenkomplex. Viele an sich gesunde Tiere sind Träger der Viren. Erkrankungen treten dann durch Stresssituationen verschiedenster Art auf - etwa einem Umzug, einem neuen Hausgenossen, egal ob Tier oder Mensch, einer Erkältung, schlechten hygienischen Verhältnissen, schlechtem Allgemeinzustand oder körperlichen Anstrengungen. Die Erreger dieser ebenso häufigen wie ansteckenden Katzenkrankheit sind sehr widerstandsfähig. Sie gelangen über die Luft auf die Schleimhäute von Augen und Nase. Häufig sind Katzen Dauerausscheider, d.h., sie tragen den Erreger noch lange Zeit, nachdem sie die Krankheit schon überstanden haben. Manchmal ohne überhaupt ernstlich krank geworden zu sein. Je nach Erregerart beträgt die Inkubationszeit zwischen 2 und 5 Tagen. Meistens bleibt die Krankheit auf die oberen Luftwege beschränkt. Sie beginnt wie ein kräftiger Schnupfen mit Niesen, wässrigem, später schleimigem bis eitrigem Ausfluss aus Nase und Augen und stark wechselndem Fieber. Augen und Nase können zukleben und die Mundschleimhaut kann sich entzünden. Für einen normalen Schnupfen wirken die Tiere zu krank. Die Katzen sind dann appetitlos, fressen und trinken nichts, was für eine weitere Verschlechterung des Zustandes sorgt. Das Krankheitsbild kann sich über Wochen hinziehen. Bei rechtzeitiger Behandlung durch den Tierarzt werden auch stark erkrankte Katzen oft wieder ganz gesund, gute Pflege und viel liebe allerdings vorausgesetzt. Der einzige Schutz - wie bei der Katzenseuche - ist das Impfen.



Katzenleukose / FeLV

Das Leukose-Virus ist der Erreger der häufigsten, tödlich endenden Viruserkrankung der Katze. Es handelt sich um ein sogenanntes Retrovirus. Das feline Leukämie-Virus bewirkt einerseits eine zunehmende Abwehrschwäche mit einer erheblichen Blutarmut, andrerseits kann es auch Krebsgeschwülste verursachen. Die Übertragung erfolgt hauptsächlich durch direkten Kontakt von Tier zu Tier, da das Virus in grossen Mengen mit dem Speichel ausgeschieden wird, in geringerem Masse auch mit dem Kot, dem Urin, der Tränenflüssigkeit und der Milch säugender Mutterkatzen.

Das durch das Leukosevirus verursachte Krankheitsbild ist äusserst vielfältig. Einerseits kann durch die Schädigung weisser Blutzellen das Immunsystem so stark geschädigt werden, dass die Katze für alle möglichen, sonst harmlosen Erreger empfänglich wird. Die Folgen sind Entzündungen verschiedener Organe, die sich nicht oder nur vorübergehend therapeutisch beeinflussen lassen. Somit ist die Leukose häufig Wegbereiter für weitere Infektionen, wie FIP, FIV, Atemwegsentzündungen, Nierenentzündungen etc.

Auffällige Krankheitszeichen: keine Fresslust, Erbrechen, Durchfall, Apathie, Fieber, evtl. Angina, evtl. Durchfall, evtl. akute Nierenentzündung, blasse bis weisse Schleimhäute, evtl. starke Blutarmut, Leukosetest positiv. Eine FeLV-Infektion kann in den seltensten Fällen aufgrund des Krankheitsbildes alleine diagnostiziert werden. Eine relativ sichere Diagnose bringt der Leukosetest, bei dem Bestandteile des Leukosevirus nachgewiesen werden. Dieser Leukosetest wird in der Regel vor einer Imfpung durchgeführt, um gesund erscheinende Dauerausscheider zu erkennen, da solche Tiere zwar problemlos geimpft werden können, ein Erfolg der Impfung dann jedoch zumindest fraglich ist.

Das Mittel der Wahl bei der Bekämpfung der FeLV-Infektion ist die Schutzimpfung. Sie besteht in einer Grundimmunisierung, bei der die Katzen in ca. dreiwöchigem Abstand zwei Impfungen erhalten. Diese Impfung sollte jährlich aufgefrischt werden.



Aids / FIV

(Feline Immune Deficiency Virus). Die Symptome und das Virus (gehört zur Gruppe der Retroviren) zeigen deutliche Ähnlichkeiten mit dem Aidsvirus des Menschen. Für Menschen ist diese Krankheit aber in keinerlei Hinsicht ansteckend. Die Ansteckung findet meist beim Kämpfen und Beißen statt und kann außer durch Blut auch durch Speichel erfolgen, deshalb sind hauptsächlich Kater betroffen. Katzenaids zeigt eine beliebige Kombination aller chronischen Krankheitsbilder. Chronische Entzündungen der Schleimhäute von Mund, Nase und Augen, der Luftwege, Lymphdrüsen, der Blase, des Darms, der Ohren und der Haut. Des Weiteren Blutarmut, chronischer Durchfall und starke Abmagerung. Der Zusammenbruch des Abwehrsystems und die zunehmende Anfälligkeit für andere Krankheiten kann nur gehemmt werden. Mit dem Aidsvirus infizierte Katzen müssen für den Rest ihres Lebens von anderen nicht kranken Katzen isoliert werden. Katzenaids ist bis heute unheilbar, und es gibt keinen Impfstoff. Der beste Schutz ist das Kastrieren bei Katern, die freien Auslauf haben. Sie kämpfen, beißen und streunen dann wesentlich weniger. Außerdem sorgt eine ruhige und stressfreie Umgebung für ein Hinauszögern des Krankheitsausbruchs.



Feline Infektiöe Peritonitis (FIP)

Die FIP oder ansteckende Bauchfellentzündung ist eine Erkrankung, die durch Coronaviren hervorgerufen wird. Sie wird heute sehr häufig diagnostiziert und stellt, nach der Leukose, die zweithäufigste Todesursache der Katzen dar. Die Übertragung ist möglich über Kot, Harn, Nasen- und Augenausfluss und Speichel.

Die Krankheitssymptome sind unspezifisch: Fressunlust, Bewegungsunlust, evtl. Erbrechen, Fieberschübe bis 42 Grad, evtl. leichte Erkältungserscheinungen mit Angina, leichtem Schnupfen, leichter Bindehautentzündung.

Die klassische Form der FIP äussert sich später in einer Zunahme des Bauchumfanges, die bei weiblichen Tieren auf den ersten Blick an eine Trächtigkeit denken lässt. Tatsächlich handelt es sich jedoch um einen eiweissreichen Erguss in die Bauchhöhlen als Folge einer Bauchfellentzündung. Ergüsse können auch in der Brusthöhle und dem Herzbeutel vorkommen. Treten bei einem erkrankten Tier solche Ergüsse auf, spricht man von der feuchten FIP. Daneben existiert noch eine sogenannte trockene Form, die vom Tierarzt schwer zu diagnostizieren ist, und sich häufig erst nach dem Tode als kleinknotige Organveränderung an Niere, Milz, Leber oder Darm erweist.
FIP ist eine sehr komplexe, noch nicht bis ins letzte Detail erforschte Krankheit. Deshalb passieren zum Teil unverständliche, unvorhersehbare Krankheitsverläufe.

Der FIP-Test: Hierzu ist zu sagen, dass dieser Test lediglich Antikörper gegen Coronaviren allgemein aufspürt. Es gibt aber Coronaviren der Katze, die keine krankmachenden Eigenschaften aufweisen, und andere, die sogenannten Felinen Enteralen Coronaviren, die lediglich leichte Durchfallserkrankungen auslösen. Mit dem Test ist es allerdings im heutigen Zeitpunkt nicht möglich, zwischen der echten FIP und einer harmlosen Coronaviren-Infektion zu unterscheiden. Bei einem gesunden Tier ist die Aussagekraft eines solchen Tests sehr gering, weil auch gesunde Katzen, welche den Virus abgewehrt haben, Antikörper besitzen.
Bei einem Tier hingegen, welches klinische Anzeichen einer FIP zeigt, ist der Test als Diagnosehilfe durchaus sinnvoll. Doch auch dann bedeutet ein hoher Titer nicht zwangsläufig, das Vorliegen einer FIP-Infektion, ebensowenig wie ein niedriger Titer eine solche ausschliesst. Der FIP-Test ist somit zusammen mit dem klinischen Bild, Blut- und weiteren Untersuchungen (z.B. Punktion, Röntgen, Ultraschall) lediglich ein Bestandteil der Diagnose.

Beim eindeutigen Vorliegen einer FIP-Infektion bleibt eine Behandlung aussichtslos.

Seit einigen Jahren ist gegen die FIP ein Impfstoff auf dem Markt, der in Form von Tropfen in die Nase geträufelt wird. Die Grundimmunisierung erfolgt ab der 16. Lebenswoche und erfordert zwei Gaben im Abstand von ca. drei Wochen. Die Auffrischung sollte analog zu den anderen Impfungen jährlich vorgenommen werden.



Tollwut

Alle Säugetiere einschliesslich des Menschen sind für Tollwut empfindlich. Das Tollwutvirus greift das zentrale Nervensystem an und ruft bei den infizierten Tieren Aggressivität, Wesensveränderungen und Lähmungserscheinungen hervor. Die Infektion führt letztlich zum Tode.

Es gibt eine Schutzimpfung gegen Tollwut. Jungtiere können ab dem 4. Lebensmonat Tollwut geimpft werden. Ein anerkannter Impfschutz besteht dann, wenn die letzte Impfung mindestens einen Monat und höchstens ein Jahr zurückliegt.

Generell gilt für die Impfung, dass sie nur dann wirklich notwendig ist, wenn ihre Katze Freigang oder (bei einigen Erkrankungen auch über Sie) Kontakt zu anderen Artgenossen hat.  



Tetanuns bei Katzen

Erreger von Tetanus
Tetanus zählt zu den Infektionskrankheiten, die durch eine Infektion mit Bakterien verursacht werden. Das die Krankheit auslösende Bakterium heißt Clostridium tetani, ein Bakterium, das Sporen bildet und sich unter Ausschluss von Luft entwickeln kann. Es sondert ein Gift ab, das so genannte Tetanospasmin, das die Krankheit letztendlich auslöst.
Kleine Wunden genügen, um den Erreger der Krankheit in den Körper gelangen zu lassen. Das Bakterium selbst kommt in den obersten Erdschichten vor und kann zum Beispiel durch eine kleine Verletzung in den Körper gelangen. Sehr häufig ist die Ansteckung durch erkrankte Menschen oder Tiere. Bei Tieren ist die Übertragung durch Bissverletzungen sehr häufig. Über das Blut-, beziehungsweise das Lymphensystem wandern die Erreger bis in das zentrale Nervensystem. Von dort aus werden sie an den Nervenzellen fixiert.

Symptome und Diagnose der Krankheit
Die Inkubationszeit von Tetanus ist sehr unterschiedlich und kann je nach Anzahl der eingedrungenen Erreger von zwei bis zu vierzehn Tagen betragen. Teilweise wurde sogar schon eine Inkubationszeit von 56 Tagen beobachtet. Insgesamt sind die Symptome bei der Tetanusinfektion bei Mensch und Tier vergleichbar. Allgemeine Lustlosigkeit ist das erste Anzeichen, was allerdings noch wenig aussagekräftig ist. Doch schon bald treten Schmerzen im Bereich der Kau-, Bauch- und Rückenmuskulatur auf, was bei Tieren durch erhöhte Empfindlichkeit und Schonung der entsprechenden Bereiche deutlich wird. Als nächsten folgt ein Spasmus der Kaumuskulatur, das heißt, diese ist gelähmt. Nun kommt es des Weiteren zu schmerzhaften Muskelkontraktionen, die nicht kontrolliert werden können. Im Gesichtsbereich sind daher häufig Entstellungen zu beobachten. Außerdem sind diese Kontraktionen der Muskeln mit Schluck- und Atembeschwerden verbunden.
Wird die Tetanusinfektion nicht behandelt, so führt sie in der Regel innerhalb von drei bis vierzehn Tagen nach dem Zeigen der ersten Symptome zum Tod.

Behandlung und Vorbeugung

Kultur möglich, in der Regel erfolgt der Nachweis am Tierversuch. Im Anfangsstadium der Krankheit sind die Heilungschancen gut. Wird der Erreger nachgewiesen, wird ein Tetanus-Hyperimmunglobin verabreicht. Zusätzlich müssen Antibiotika gegeben werden. Tiere erhalten außerdem ständig Beruhigungsmittel, um die Einwirkung äußerer Reize möglichst gering zu halten, da diese die Beschwerden verstärken. In der Regel gilt die erste Woche der Behandlung als die kritischste, ist sie überstanden, überleben die Erkrankten auch meist.
Tetanus ist eine Krankheit, die durch den richtigen Impfschutz vermeidbar ist und das Risiko einer Erkrankung sollte nicht eingegangen werden.




Toxoplasmose

Die Toxoplasmose verläuft bei der Katze in der Regel ohne Krankheitserscheinungen, ist jedoch von großer Bedeutung da die Erkrankung vom Tier auf den Menschen übertragen werden kann.
Bei Jungtieren kann es zu Fieber, Husten, Atemnot, Durchfall, Gelbsucht und Lähmungserscheinungen aufgrund einer Muskelentzündung, bzw. eine Enzephalitis kommen.

Bedeutung für den Menschen
Nach der Geburt verläuft die Infektion beim Menschen meist symptomlos. Eventuell kommt es zu Grippeähnlichen Erscheinungen.

Wirklich gefährdet sind Frauen in der Schwangerschaft, wenn sie noch keine Toxoplasmen-Infektion durchgemacht haben. Der Erreger wird auf den Embryo übertragen und schädigt diesen. Im ersten Drittel der Schwangerschaft kommt es bei einer Infektion zu Fehlgeburten. Im zweiten und dritten Drittel der Schwangerschaft kommt es zu Frühgeburten und Mißbildungen, je nach Stärke des Auftretens der Toxoplasmen.

Katzen scheiden nur eine Woche lang (nach der Infektion) Toxoplasmose-Erreger mit dem Kot aus - Wenn Sie also eine Wohnungskatze haben, die kein rohes Fleisch zu fressen bekommt, ist es praktisch unmöglich, sich auf diesem Weg zu infizieren. Da ist es schon weit wahrscheinlicher, Toxoplasmose-Erreger über die Nahrung aufzunehmen (zB. Schnitzel schneiden, Salat zubereiten => Erreger auf Salat!). 

Vorbeugung
kein rohes Fleisch essen/anfassen.
gründliches Händewaschen nach Kontakt mit rohem Fleisch, Katzen, Gartenarbeit, vor jedem Essen
Obst und Gemüse gründlich waschen
tägliche Reinigung der Katzentoilette (Seife, Wasser mit mehr als 55°) - NICHT durch Schwangere!



Mikrosporie bei Katzen

Die Mikrosporie ist eine unter Katzen weit verbreitete Pilzerkrankung. Häufig tritt sie in Tierheimen oder bei Zuchtieren auf. Ist eine Katze erkrankt, dauert es meist nicht lange, bis die Tiere in der Umgebung auch an dem Pilz erkranken. Anders als die meisten Katzenkrankheiten, ist die Mikrosporie auch auf den Menschen übertragbar.

Wie stark die Symptome beim Tier ausgeprägt sind macht sich wesentlich am allgemeines Gesundheitsstatus fest. Eine Katze die über starke Abwehrkräfte verfügt hat meist bessere und schnellere Heilungschancen als eine immunschwache Katze. Da der Pilz auf die inneren Organe übergreifen kann, sollte bei ersten Anzeichen sofort der Tierarzt aufgesucht werden.

Die ersten Anzeichen sind abgebrochene Haare, um die sich ein roter Ring bildet. Oftmals jucken diese Stellen stark, so dass die infizierte Katze sich blutig kratzt. Bei einigen Katzen gehen einfach nur die Haare aus, ohne erkennbare Schädigungen der Haut. Durch den Pilz können sich die Krallen gelblich verfärben. Sie werden brüchig und im schlimmsten Fall entzündet sich das Krallenbett. Für das Tier ist das ein sehr unangenehmer Prozess, da es beim laufen zu Schmerzen kommt.

Um herauszufinden um welchen Pilz es sich handelt, hat der Tierarzt die Möglichkeit eine Pilzkultur anzulegen. Er entfernt einige Haare, bei offensichtlichen Hautverkrustungen auch einen Teil der Kruste. Im Labor wird hieraus dann eine Pilzkultur angelegt, die nach einigen Wochen ersehen lässt, um welchen Erreger es sich genau handelt. Da diese Untersuchung einige Zeit in Anspruch nimmt, wird die Katze unterdessen auf Symptome behandelt. Es werden Salben gegen Pilze verordnet. Der Besitzer sollte beim Auftragen der Salbe immer Handschuhe tragen, da die Mikrosporie ansteckend ist.
Beim ersten Auftreten von Hautveränderungen am Menschen sollte dieser direkt den Hautarzt aufsuchen und einen Hinweis auf Mikrosporie geben.
Einem gesunden Menschen wird eine Pilzerkrankung nichts anhaben. Bei Kindern und immunschwachen Menschen können jedoch die inneren Organe angegriffen werden.

Leidet die Katze besonders am Kopf unter starkem Juckreiz, kann der Tierarzt einen sogenannten Trichter anpassen. Das Tier kommt dann mit den Krallen nicht mehr an die juckenden Stellen und die Wunden heilen. Viele Tiere lecken die Salbe direkt nach dem Auftragen wieder ab. Auch hier kann ein Trichter helfen, das Tier daran zu hindern. Bei starkem Juckreiz kann über einen kurzen Zeitraum Kortison verabreicht werden, das den Juckreiz lindern soll.

Um eine Verbreitung der Pilzsporen in der Wohnung zu verhindern, sollte der Katze nur ein Raum zur Verfügung stehen. Pilze fühlen sich besonders in feuchtwarmen Verhältnissen wohl, daher sollte die Temparatur nicht zu hoch sein.

Forscher haben einen Impfstoff gefunden der sowohl vorbeugend, als auch bei akuten Befall eingesetzt werden kann. Leidet die Katze unter einem starken Pilzbefall, kann die Entfernung der Haare angeraten sein. Die Katze wird anschließend mit pilztötenden Salben behandelt und bekommt das Impfserum gespritzt. Die Impfung ist nicht günstig, jedoch ist die Behandlung einer an Mikorsporie erkrankten Katze oftmals noch kostspieliger.




Giardien

Was sind Giardien?
Die Giardien gehören unter den Einzellern zu der Gattung der Flagellaten (Geißeltierchen) und bilden dort eine eigene Gattung. Flagellaten zeichnen sich dadurch aus, dass sie einen oder mehrere Kerne sowie Geißeln als Bewegungsorganellen besitzen. Man unterscheidet vegetative Stadien (Trophozoiten) von Dauerformen (Zysten). Giardien sind mikroskopisch kleine Durchfallerreger von Birnenförmiger Gestalt. Giardien besitzen 2 Kerne, 8 Geißeln
sowie eine sog. Haftscheibe. Auf der Bauchseite der Trophozoiten befindet sich eine Haftscheibe mit dem sie sich an der Dünndarm- und/oder Dickdarmschleimhaut festhalten können. Sie dringen also nicht in das Gewebe ein, sondern vermehren sich Millionenfach auf der Oberfläche der Darmschleimhaut und können diese dadurch zerstören. Um andere Lebewesen befallen zu können, umgeben sich jeweils zwei Trophozoiten mit einer schützenden Hülle, zweiteilen sich in vier Kerne und lassen sich als Zyste mit dem Kot nach außen transportieren.

Entwicklung
Man unterscheidet generell zwei Lebensformen. Die erste Lebensform sind die sogenannten Trophozoiten. Sie sind die im Darm von z.B. Katzen lebenden Formen. Aus ihnen entsteht bzw. sie bilden dann die zweite Lebensform - ansteckende Zysten - die mit dem Kot ausgeschieden werden. Werden die Zysten von einer Katze oder einem Mensch oral aufgenommen entstehen im Körper wieder Trophozoiten, welche dann wieder die zweite Lebensform bilden. Ein ständiger Kreislauf ....

Trophozoiten im Darm müssen nicht unbedingt eine Krankheit auslösen. In diesem Fall spricht man von einem "symptomlosen Träger" der Giardien, welcher Zysten ausscheidet, jedoch selbst keine Erkrankungserscheinungen zeigt.
Der Nachweis von Zysten im Kot gelingt erstmals frühestens 5 Tage (-16 Tage) nach der Infektion.

Überlebensfähigkeit der Zysten
Diese Zysten sind in der Aussenwelt über einen Zeitraum von ca. 3-4 Wochen infektiös und werden auf fäkal-oralem Weg auf neue Wirte übertragen. In kaltem Wasser überleben die infektiösen Zysten ca. 2 Monate. Sie sind (leider) auch gegenüber jeglichen Desinfektionsmitteln widerstandsfähig. Giardia-Zysten können in der Aussenwelt nur effektiv mit einem Heißdampfstrahler bekämpft werden, da sie erst ab ca. 70 Grad abgetötet werden können.


Symptome
Meist werden Jungtiere befallen aber auch alte Katzen mit anderen schweren Grundkrankheiten. Aufgrund des entweder noch nicht richtig ausgebildeten Immunsystems oder eines geschwächten Immunsystems sind diese Katzen nicht "stark" genug, die Giardien zu eliminieren. Im Normalfall wird eine Infektion durch das Immunsystem nach wenigen Wochen spontan eliminiert. Lokal produzierte oder durch Muttermilch aufgenommene IgA Antikörper wirken schützend, indem sie die Fähigkeit der Giardien, sich an die Darmschleimhaut zu heften, blockieren. Weiterhin wirken die IgA Antikörper als Zellgift auf die Trophozoiten. Chronische Infektionen findet man oft in Verbindung mit einer Hypogammaglobulinämie (Gammaglobulinmangel im Blut - feststellbar durch Serumelektrophorese).

Falsche Ernährung der Katzen, wie z.B. kohlenhydratreiches Futter (und hierzu zählen alle Trockenfuttersorten) mit Veränderungen der Darmflora begünstigen die Krankheit, die durch akuten oder chronischen mit wechselweise auftretendem dünnflüssigem bis breiigem - mitunter auch mit Blut-geflecktem - Durchfall einhergeht. Aber auch Erbrechen bis hin zu Fieber kann die Folge einer Erkrankung sein.

Diagnose
Der Nachweis von Giardien-Trophozoiten ist sehr schwer. Der Nachweis kann nur in ganz frischem Durchfallkot oder aus einer Spülprobe direkt aus dem Darm erfolgen. Die Trophozoiten sterben an der Luft innerhalb weniger Minuten. Deshalb ist der Nachweis von Trophozoiten mittels des zur Verfügung stehenden Testverfahrens heute nicht mehr anzuraten.

Der Giardien-Zysten-Nachweis gelingt etwas einfacher. Allerdings werden die Zysten nicht regelmäßig ausgeschieden, so dass man für diese Art des Nachweises mindestens den Kot pro Katze von 5-7 Tagen sammeln sollte. Es gibt zwei Testverfahren die Zysten im Kot nachzuweisen: Die Anreicherung durch Flotation mit dem MIFC-Verfahren oder der indirekte Antigennachweis (der jedoch wesentlich teurer ist und ca. 20-25 Euro kostet). In beiden Fällen muss beachtet werden, dass die Zystenausscheidung erst 2-3 Tage nach Diarrhoebeginn erfolgt.

Lange Zeit wurde der Antigennachweis aus Kostengründen nicht durchgeführt, jedoch findet er heute in den deutschen Laboren immer öfter Verwendung, weil er die sicherste Methode darstellt, Zystem im Kot nachzuweisen. Mit dem ELISA-Antigennachweis können selbst geringe Befallsraten ermittelt werden. Der Test basiert auf den Grundlagen eines Antigen-‚Capture‘-ELISA und dient dem Nachweis von Giardia-spezifischem Antigen in Kotproben. Ist der ELISA-Antigen-Test positiv ist der Befall als sicher anzusehen.

Nach der Giardien-Behandlung sollte erneut ein Test erfolgen. Wird der ELISA-Antigentest verwendet sollte ein erneuter Test erst 4 Wochen nach der Behandlung durchgeführt werden, da der Antigentest nicht zwischen toten und lebenden Zysten unterscheiden kann. Laboklin äussert sich hierzu wie folgt:

Im Antigentest werden Giardien selbst nachgewiesen (bzw. ihre Bruchstücke, dazu müssen Giardien selbst aber vorhanden gewesen sein). Da eine Behandlung die Giardien nicht auflöst sondern sie abtötet können Bruchstücke - auch von toten Giardien - noch ausgeschieden werden.

Therapie
Grundsätzlich und für alle Medikamente gilt: Alle Katzen und ggfs. weitere Tiere im Haushalt (z.B. Hunde) müssen mitbehandelt werden. Die Ansteckungsgefahr bei Giardien darf niemals unterschätzt werden! Und man darf auch nicht vergessen: Giardien gehören zu den Zoonosen und können auch beim Menschen schwere Krankheitsverläufe auslösen. Eine Reinfektion von Mensch zu Tier und von Tier zu Mensch ist leicht möglich.



Niereninsuffizienz

Die Chronische Niereninsuffizienz ist eine häufig auftretende Erkrankung älterer Katzen. Bei dieser Krankheit nimmt die Leistungsfähigkeit der Niere soweit ab, dass die giftigen Stoffwechselprodukte nicht mehr aus dem Blut herausgefiltert werden können. Dadurch kommt es nach und nach zu Vergiftungserscheinungen und schließlich zum tödlichen Nierenversagen.

Auffällig wird sie erst in den Laborwerten, wenn schon ca. 60% des Nierengewebes zerstört sind. In der klinischen Chemie des Blutbildes sind die Werte Harnstoff, Kreatinin und anorganischer Phosphat über dem Referenzwert. Es empfiehlt sich ein jährlicher Bluttest ab dem 7 Lebensjahr der Katze.

Symptome
Sichtbare Symptome treten erst in späteren Stadien auf. Hier einige Beispiele:

    Exzessives Urinieren
    Übermäßiger Durst
    Abmagerung / Auszehrung
    Erbrechen (Keine Haarballen)
    Speicheln
    Struppiges/fettiges Fell
    Dehydration (Austrocknung)
    Gastritis
    Verstopfung
    Appetitmangel
    Muskelabbau
    Mundgeruch (durch Ammoniak)
    Lethargie (Teilnahmslosigkeit)
    Müdigkeit
    Geschwüre im Mundbereich
    Ablösende Netzhaut
    Krämpfe, Untertemperatur

Therapie
Die Chronische Niereninsuffizienz ist nicht heilbar, man kann nur durch Infusionstherapie und die Gabe von Phosphatbindern im Futter bzw. Nierendiät und eventuell blutdrucksenkenden Medikamenten versuchen, den Krankheitsverlauf zu verlangsamen. Die Katze kann dann noch einige Monate oder sogar Jahre weitgehend beschwerdefrei leben. Es liegt am Halter zu entscheiden ab wann eine artgerechte Lebensweise für das Tier nicht mehr gegeben ist und es keinen Sinn macht das Ende weiter hinauszuzögern. Zukünftig soll es einen einfach anwendbaren Urintest geben.



Aujeszkysche Krankheit

Die Aujeszkysche Krankheit (auch Morbus Aujeszky, Pseudotollwut, Pseudorabies, Juckpest) ist eine durch das Aujeszky-Virus hervorgerufene anzeigepflichtige Tierseuche, die von unerträglichem Juckreiz begleitet wird. Der Erreger gehört zur Familie der Herpesviren (Herpesviridae, Genus Varicellovirus). Sein eigentlicher Wirt sind Schweine, daher SHV-1 (suid Herpesvirus Typ 1). Er kommt in Schweinebeständen vor und wird daher entweder von Schweinen direkt oder durch rohes Schweinefleisch (!) auf Katzen übertragen. Die Krankheit ist meldepflichtig, da sie schwer von der Tollwut zu unterscheiden ist. Die Krankheit ist nach dem ungarischen Tierarzt Aladár Aujeszky benannt.  

Über die in der Mundschleimhaut endenden Nerven gelangt das Virus direkt ins Gehirn und vermehrt sich dort im Nervengewebe. Es kommt zur Entzündung des Nervengewebes des Gehirns und dann zum Untergang der Nervenzellen. Die Inkubationszeit beträgt 2 bis 9 Tage. Danach treten uncharakteristische Erscheinungsbilder auf: Wesensänderung, Müdigkeit, Neigung zum Verstecken, Fressunlust. Bei jungen Katzen tritt oft Erbrechen als einziges Symptom auf. Ständiges Lecken und Beissen des Fells weisen auf Juckreiz hin. Diese Symptome können aber auch fehlen. Danach kommt es zu Schluckbeschwerden, bedingt durch Lähmungen des Rachenraumes. Es kann auch zu Lähmungen der Kaumuskulatur und zu Zuckungen von Kopf und Gesichtsmuskeln. In der Regel tritt der Tod schon am ersten oder zweiten Tag nach Einsetzen der Symptome ein. Eine Vorsorgeimpfung gibt es nicht.
Grundsätzlich sollte auf die Fütterung von rohem Schweinefleisch verzichtet werden!
   

 



Chlamydien (Chlamydiose)

Chlamydien gehören zur Gruppe der Zoonosen. Ihr lateinischer Name lautet 'Chlamydia (Betsonia, Miagawanella) psittaci.Sie sind extrem ansteckend.

Die Inkubationszeit (Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Krankheit) beträgt 2 bis 10 Tage. Die Übertragung findet durch Tröpfcheninspektion, Schmierinfektion oder durch Einatmen von infiziertem Staub statt.

Achtung: Auch Menschen sind höchst ansteckungsgefährdet.

Die Krankheit beginnt mit Husten und Niesen. Danach ist eine Augenentzündung (Conjuktivitis) festzustellen, die erst auf einem Auge, dann auf beiden Augen auftritt. Ein schleimeitriger Augen- und Nasenausfluss wird ab und an beobachtet. Die Erkrankung wird von Fieber begleitet. Die Hornhaut ist bei dieser Erkrankung nicht betroffen. Die Augenentzündung kann mehrere Tage bis Wochen dauern. Der Tierarzt wird bei seiner Untersuchung ein scharfes und rasselndes Atemgeräusch vorfinden (Hinweis für eine Lungenentzündung). Durch eine Untersuchung der Tränenflüssigkeiten kann der Chlamydien-Erreger bestimmt werden.

Das erkrankte Tier muss umgehend beim Tierarzt vorgestellt werden. Unterbleibt dies, treten zwar nach einiger Zeit sogenannte Spontanheilungen auf, allerdings kommt es dann in den meisten Fällen nach knapp 14 Tagen zu Rückfällen. Darüber hinaus besteht die immens grosse Gefahr der Verseuchung ganzer Zuchtbestände.

Wird die Katze rechtzeitig zum Tierarzt gebracht, sollte die Behandlung mit Antibiotika und Baypamun zur der Stärkung des Immunsystems durchgeführt werden. Nach Abklingen der Erkrankung muss die Behandlung noch für mindestens zwei (besser vier) Wochen fortgeführt werden, da ansonsten eine grosse Gefahr des Rückfalls besteht.

Es ist zu beachten, dass nach einer überstandenen Chlamydien-Infektion keine dauerhafte Immunität gegen diese Erkrankung besteht.

 



PKD - Polycystic Kidney Disease

PKD ist kein neuer Virus, der eben mal diagnostiziert und behandelt werden kann. PKD ist eine vererbbare Nierenerkrankung, durch die eine oder beide Nieren von Zysten befallen werden, die letztlich zum Tod der Katze durch Nierenversagen führen.

Geschichte
Es gibt vereinzelte Berichte über PKD seit 1967, aber ernsthaft geforscht wird erst seit 1990 an der Ohio State University (USA), wo bei einem sechs Jahre alter Perser PKD diagnostiziert wurde.

Anzeichen
PKD zeigt sich in der Regel erst bei der älteren Katze, wenn im Alter von etwa drei bis zehn Jahren die Nieren größer werden, die Zysten fühlbar werden und die Nieren beginnen ihre Funktion einzustellen. Die Katze leidet dann unter Appetitlosigkeit, großem Durst, starkem Harndrang, Depression und Gewichtsverlust. Es ist sehr unterschiedlich, wann und wie schnell die Symptome auftreten. Wenn dies spät genug im Leben eintritt, kann die Katze auch aus anderen Gründen als Nierenversagen sterben.

Klinisches Erscheinungsbild
Die Zysten an den Nieren bestehen von Geburt an und können bei Kitten lediglich einen Millimeter groß sein. Wenn die Katzen älter werden, wachsen die Zysten und vermehren sich. Möglicherweise ist die Funktion der Nieren schon frühzeitig eingeschränkt, sie werden immer größer mit immer größeren Zysten. Das Versagen der Nieren ist unvermeidlich. Es wurden auch schon Zysten in anderen Organen wie der Leber gefunden, aber das ist eher die Ausnahme als die Regel.

Diagnose
Der einzige Weg die PKD sicher zu diagnostizieren ist zur Zeit bei der lebenden Katze die Untersuchung mit hochauflösenden Ultraschallgeräten. (Eine Liste mit den zertifizierten Untersuchungsstellen für die Untersuchung auf PKD bei Katzen finden Sie beim Bundesverband Praktischer Tierärzte e.V.). Mit dieser Untersuchung kann ein erfahrener Tierarzt PKD schon im Alter von acht Wochen feststellen. Die Untersuchung sollte im Alter von mindestens 10 Monaten durch geführt werden, da in dem Alter die Zysten bereits größer und daher besser zu erkennen sind. Sollte das Ergebnis positiv sein, sollte die Untersuchung noch ein oder zweimal wiederholt werden, da Irrtümer natürlich nicht ausgeschlossen werden können. Dies ist nur erforderlich, wenn die Katze zur Zucht verwendet werden sollte. Die Forschung ist bemüht, Bluttests zu entwickeln, mit denen PKD nachgewiesen werden kann; noch gibt es derartige Tests jedoch nicht.

Ist PKD ansteckend?
PKD ist nicht ansteckend, wird aber von einem oder beiden Eltern vererbt. Untersuchungen zeigen, daß PKD dominant vererbt wird, d.h. PKD wird immer auftreten, wenn ein Elternteil oder beide es vererben.

Behandlung
Es gibt keine spezielle Behandlung gegen PKD. Die Forschung ist noch immer bemüht, die Gründe für das Auftreten von PKD zu ermitteln. Die Tiere werden so behandelt, wie es bei chronischen Nierenerkrankungen erforderlich ist, d.h. es werden die Symptome nicht aber die eigentliche Krankheit behandelt. Die Katze sollte ein Nieren-Diätfutter mit reduziertem Phosphoranteil erhalten und viel trinken.



HCM hypertrophe Kardiomyopathie

Die hypertrophe Kardiomyopathie ist eine genetische Erkrankung des Herzens, die sowohl Katzen, Hunde und Schweine als auch Menschen befallen kann. Wie diese Erkrankung über Generationen hinweg weitergegeben wird, ist noch nicht eindeutig belegt. Seit den 1970er Jahren ist jedoch bereits bekannt, dass HCM ein häufiger Grund für Herzversagen, Thromben und plötzlichen Herztod bei Katzen ist. Eine bedeutende Studie wurde in den USA an Maine-Coon-Katzen durchgeführt und ergab, dass HCM bei dieser Katzenrasse
durch ein einziges dominantes Gen vererbt zu werden scheint.

Ein normales Herz

Ein Herz, diagnostiziert mit HCM


HCM wird charakterisiert durch eine a
banomale Verdickung des Herzmuskels, die sich hauptsächlich in Höhe der linken Herzseite zeigt. Aufgrund der Verdickung des Herzmuskels verliert das Herz an Elastizität, wodurch es sich weniger leicht füllen kann. Eine zweite Folgeerscheinung ist, dass immer weniger Platz für das Blut in der linken Herzkammer zur Verfügung steht. Dies führt dazu, dass eine geringere Menge Blut als normalerweise üblich bei jedem Herzschlag durchgepumpt werden kann. Ein verdickter Herzmuskel kann zudem Turbulenzen im Blutfluss (Wirbel, Strömungen) auslösen oder Herzklappenverschlussfehler hervorrufen und dadurch Herzgeräusche verursachen, die der Tierarzt mit dem Stethoskop hören kann.
Einige Katzen mit HCM können Flüssigkeit in den oder um die Lungen herum ansammeln, was zu erschwerter Atmung führen kann. Andere Tiere zeigen keinerlei äußere Anzeichen, können aber plötzlich aufgrund einer plötzlich auftretenden, sehr schweren Rhythmusstörung tot umfallen. Manche Katzen entwickeln Blutgerinnsel, die eine Lähmung der Hinterbeine verursachen können.

HCM ist kein angeborener Defekt. Die Erkrankung entwickelt sich sehr langsam. Katzen, die an HCM erkranken, sind in den ersten sechs Lebensmonaten häufig völlig symptomfrei und nicht diagnostizierbar. Es kann mehrere Jahre dauern, bevor man eine HCM mit Sicherheit feststellen kann. Untersuchungen sollten deshalb von erfahrenen Kardiologen vorgenommen und Echokardiographien in regelmäßigen Abständen durchgeführt werden.

Der Gentest
Mit Hilfe eines Gentests sollen Katzen identifiziert werden, die HCM im Erbgang tragen bzw. die frei von dieser Mutation sind. Für den DNA-Test wird zunächst aus einer Blutprobe die DNA der Katze isoliert. Mittels der s. g. Polymerase-Kettenreaktion wird dann das betroffene Gen millionenfach vervielfältigt, um es leichter analysieren zu können. Anschließend wird automatisch mit Hilfe eines s.g. Genetic Analyzers die Erbsequenz gelesen. Somit soll die HCM mit relativer Testsicherheit nachgewiesen werden können. Der Test kann bei Maine Coons und Maine-Coon-Mischlingen angewendet werden.
Die neuesten Studien zu den beiden in Deutschland verfügbaren Gentests auf HCM der Kleintierklinik der Ludwig-Maximilien-Universität in München haben allerdings gezeigt, dass der Test nicht 100-%-tig ist. Maine Coons mit HCM hatten im Gentest ebenso häufig ein positives Ergebnis wie Maine Coons ohne HCM. Außerdem heißt selbst ein positives Ergebnis nicht, dass die Katze zwangsläufig erkranken muss; es gibt auch gesunde "HCM-Träger". D. h. dass die Katze zwar HCM in den Genen trägt, diese jedoch nicht unbedingt irgendwann ausbrechen muss.

Der HCM Ultraschall
Es gibt auch noch einen "HCM-Ultraschall". Hierbei wird bei der Katze mit Ultraschall der Herzmuskel untersucht. Allerdings macht dieser Test erst Sinn, wenn die Katze 3 - 4 Jahre alt ist, da HCM vor diesem Zeitpunkt per Ultraschall nicht erkennbar ist.

Trotz Ultraschall oder Gentest kann eine HCM jedoch leider nicht 100-%-ig ausgeschlossen werden, da diese auch angeeignet werden kann, unabhängig davon, ob in den Genen HCM vorhanden ist oder nicht!

Wichtig um Herzerkrankungen vorzubeugen, ist auch eine ausgeglichene artgerechte Ernährung mit Zugabe von Taurin!

Taurin-Mangel kann sich erst nach Wochen oder Jahren in Form eines klinischen Erscheinungsbildes zeigen! Die Wichtigkeit dieser essentiellen Aminosäure (d.h. lebensnotwendiger Nahrungsstoff, der von außen zugeführt werden muss, weil ihn der Körper nicht selbst herstellen kann) wird hier also sehr deutlich.
 

Symptome eines klinisch manifesten Taurin-Mangels können sein:

  • Retinadegeneration, eine Degeneration der retinalen Photorezeptorzellen.
    Die Krankheit ist fortschreitend und kann zur Erblindung führen.

  • dilatative Kardiomyopathie, eine Erkrankung des Herzmuskels, die durch Zufütterung von Taurin reversibel ist.
    (
    Reversibel = Umkehrbar, Rückgängig machbar ) !

  • Reproduktionsstörungen, vermehrtes intrauterines Absterben der Feten und einer erhöhten Anzahl von totgeborenen Welpen, mit Entwicklungsstörungen wie z.B. Hydrozephalus oder Anenzephalie.

  • zentralnervöse Störungen bei Welpen, die sich z.B. in motorischen Störungen, einer extremen Spreizstellung der Hintergliedmaßen und einer schlechten Entwicklung äußern.

  • eingeschränkte Immunfunktion

  • histologische Veränderung des Nierengewebes 
     


HD Hüftgelenksdysplasie

Die Hüftgelenkdysplasie ist eine bekannte Erbkrankheit, welche durch genetische und ernährungsbedingte Faktoren begünstigt wird. Sie kommt überwiegend bei großen, schweren Rassen vor, sowohl bei der Katze wie beim Hund - eben auch bei der Maine-Coon. Durch die Röntgenuntersuchung der Hüften wird diese Krankheit diagnostiziert. Bei der Maine-Coon scheint die HD aber nicht sehr häufig vorzukommen, es wird nur oft darüber gesprochen. Ohne Röntgenuntersuchung ist es allerdings auch schwierig, eine HD bei Katzen festzustellen, weil diese im Gegensatz zum Hund scheinbar kaum Schmerzen und Beeinträchtigungen deswegen haben.


SMA Spinale Muskelatrophie

Die spinalen Muskelatrophie (SMA) ist eine Motorneuranenerkrankung. Dies ist eine Erkrankung der Nervenzellen. SMA beeinträchtigt alle Muskeln des Körpers, wobei die dem Rumpf am nächsten sind wie Schulter-, Hüft- und Rückenmuskulatur am schwersten betroffen sind. Die Schwäche in den Hinterbeinen ist im Allgemeinen grösser als in den Vorderpfoten. Es kann auch die Kau- und Schluckmuskulatur betreffen.
Die SMA wird aufgrund des unterschiedlichen Erkrankungsalters und der Schwere der Symptome in vier verschiedene Gruppen eingeteilt. Die bei der Rasse Maine Coon auftretende SMA ist dem Typ 3 beim Menschen sehr ähnlich.

Krankheitsbild der SMA
Betroffene Katzen zeigen schon im Alter von 12 bis 15 Wochen erste klinische Anzeichen, die mit einer zunehmenden Muskelschwäche und Muskelschwund verbunden sind. Beim Stehen können die Hinterpfoten in einem starken Winkel nach aussen zeigen. Diese Haltung wird eingenommen um eine stabile Haltung des Körpers zu erreichen. Bei einigen Tieren zwischen 6 und 12 Monaten wurden auch vermehrte Schmerzempfindlichkeiten unterhalb des Lendenwirbelbereiches beobachtet, die sich danach aber wieder zurückbildeten.

Zu den allgemeinen Symptomen gehören:

Schwächung der Hinterbeinene
feine Muskelzuckungen

Eingeschränkte Fähigkeit zum Springen und Landen
Gangbild zeigt ein Schwanken des hinteren Körperteils

Ursache der SMA
Die Ursache der SMA bei den Maine Coons liegt in dem Verlust eines 140000 Basenpaar grossen DNA-Stückes auf dem Chromosom 1 der Katzen. Von diesem Verlust ist das Gen LIX1 betroffen, das im zentralen Nervensystem aktiv ist und dessen Ausfall ursächlich mit den beschriebenen Symptomen in Zusammenhang gebracht wird.

Vererbung von SMA
Die Vererbung der SMA folgt einem autosomal rezessiven Erbgang mit variabler Ausprägung der Symptome. Dies bedeutet, dass die Erkrankung nur bei reinerbig betroffenen Tieren (SMA/SMA) auftritt und daher beide Elterntiere Anlageträger sein müssen.

Da mischerbige Anlageträger nicht erkranken, fallen diese Tiere zunächst nicht auf, sondern erst, wenn betroffene Kitten fallen.

Gentest
Zweifellos ist es wichtig, über die genetische Veranlagung seiner Tiere Bescheid zu wissen. Die weitere besondere Bedeutung des Gentests kommt der Züchterischen Anwendung zu. Der Züchter kann unter Berücksichtigung der Informationen über die genetische Veranlagung mögliche Anpaarungen genau planen. Der Gentest gibt eine eindeutige Auskunft über das Vorliegen der genannten Mutation auf dem Chromosomen 1 der Katzen, die das LIX1-Gen inaktiviert. Je nach Befund werden folgende Genotypen unterschieden:

N/N: keine SMA-Mutation
N/ SMA: mischerbiger Anlageträger der SMA-Mutatio
n
SMA/SMA: reinerbiger Anlageträger der SMA-Mutation

 


Gingivitis

Der feline Gingivitis-Stomatitis-Pharyngitis-Komplex ist ein Komplex von Krankheiten bei Hauskatzen bei dem Entzündungen von Zahnfleisch (Gingivitis), der Schleimhaut von Maul und oder Rachen (Pharyngitis) bestehen.

Er ist wesentlich seltener als die durch Plaque hervorgerufene Gingivitis und kann bei Katzen beiderlei Geschlechts in jedem Alter auftreten. Das Krankheitsbild wird bestimmt durch chronische Entzündungsprozesse, im schlimmsten Fall ist der gesamte Maul- und Rachenraum betroffen.

Symptome
Die erkrankten Tiere zeigen ein gestörtes Fress verhalten, das bis zur Abmagerung führen kann. Ausserdem bestehen vermehrter, eventuell blutiger Speichelfluss und Mundgeruch. Die betroffenen Schleimhäute sind durch die Entzündung gerötet, geschwollen und schmerzhaft. Bei jungen Katzen können typischerweise die hinteren Zähne von Zahnfleisch überwuchert sein.

Ursachen
Die Ursachen sind nicht genau bekannt. Studien deuten darauf hin, dass abnorme Reaktionen des Abwehrsystems sowie möglicherweise Infektionen mit FIV oder dem Leukosevirus eine Rolle spielen. Bei oben erwähnten Symptomen sollte das betroffene Tier auf FIV und FeLV untersucht werden.

Ursachen anderer chronischer Zahnfleischentzündung
Ähnliche Krankheitsbilder können durch Viren, Bakterien, Diät, Zuckererkrankungen, Zahnfehlstellungen, genetische Prädisposition, Allergien, andere Immunschwächen und auch Störungen anderer Abwehrmechanismen der Maulhöhle verursacht sein.

Behandlung
Der Feline Gingivitis-Stomatitis-Pharyngitis-Komplex kann nicht geheilt werden. Zur Linderung der Krankheitszeichen stehen wiederholte Cortison gaben zur Verfügung. Wird die Krankheit so nicht beherrscht, kann als letztes Mittel eine Entfernung aller Zähne in Betracht gezogen werden. Die dann völlig zahnlose Katze kann weiterhin (wegen ihrer harten Gaumenplatte) herkömmliches Futter fressen.
 


Blutgruppen bei Katzen

Das Blutgruppensystem der Katzen ist nicht identisch mit dem des Menschen. Bei den Katzen unterscheidet man drei verschiedene Typen der Blutgruppen

  • Typ A

  • Typ B

  • Typ AB

Bei den Katzen kommt die Blutgruppe A am meisten vor. Wobei es je nach Rasse sehr stark variieren kann. Die Blutgruppe AB kommt am seltensten vor. Sie wird durch ein drittes Allel bestimmt, das rezessiv zu A und Kondominat zu B ist.

Die Blutgruppe A ist dominant über die Blutgruppe B. Aus diesem Grund sind Katzen mit der Blutgruppe B immer homozygot B/B. Katzen mit der Blutgruppe A können sowohl homozygot a/a, wie auch heterozygot A/b sein. Tiere mit der Blutgruppe AB können deshalb, weil die Blutgruppe AB keine Antikörper gegen A und B bildet, Blut für beide Blutgruppen spenden.

Katzen bilden natürlicherweise Antikörper gegen den Blutgruppentyp den sie selber nicht haben. Katzen mit Typ A bilden sehr wenige B-Antikörper, wobei hingegen Katzen mit Typ B sehr viele A-Antikörper bilden.

Einfluss der Blutgruppe auf die Katzenwelpen
Am ersten Lebenstag bekommen die Katzenwelpen die sogenannte Kolostralmilch. In dieser befinden sich auch Blutgruppen-Antikörper der Mutter. Bei den Kitten beginnt die eigene Antikörperproduktion erst im Alter von 6-10 Wochen. Die maternalen Antikörper sind deshalb bei den Kitten verantwortlich für eine Neonatale Isoerythrolyse (NI).

Neonatale Isoerythrolyse NI
Die Neugeborenen Kitten haben eine andere Blutgruppe als ihre Mutter. Blutgruppe A- und Blutgruppe AB Katzenwelpen einer Katzenmutter mit der Blutgruppe B können im Verlauf der ersten Lebenstage bis Wochen eine NI entwickeln, da alle Katzen mit der Blutgruppe B hohe Antikörper gegen den Typ A besitzen. Es kommt zur intra- und extravasalen Hämolyse. Das heisst, dass die Kitten durch die Aufnahme der Antikörper ihre eigenen roten Blutzellen zerstören.

Symptome einer NI
Die Kitten erscheinen bei der Geburt normal und gesund. Die Symptome treten meistens sofort nach der Kolostrumaufnahme auf wie:

  • Plötzlicher Tod

  • Gelbsucht

  • Anämie (Blutarmut)

  • Lebensschwache Welpen

  • Hämoglobinurie (akutes Nierenversagen)

  • Durchblutungsstörungen wegen Blutgerinnseln

Vorbeugung einer NI
Auch wenn die Kitten sofort nach Auftreten der ersten Symptome von der Mutter getrennt werden, ist die Sterberate durch NI sehr hoch. Eine NI kann man am besten verhindern, indem man keine Paarung zwischen einer Kätzin mit der Blutgruppe B und einem Kater mit der Blutgruppe A zulässt. Ist dies nicht möglich, dürfen die Kitten auf keinen Fall Kolostrum aufnehmen. Sie müssen sofort von der Mutter getrennt werden die nächsten 16 Lebensstunden. Da die Antikörper können nur in dieser Zeit vom Kitten aufgenommen werden können. Nach diesen 16 Stunden können die Kitten problemlos die Muttermilch einer Katze der Blutgruppe B trinken. Man kann der Katzenmutter auch einen Art Verband um den Bauch legen, damit die Kitten bei der Mutter bleiben können, und Sie ihre Mutterarbeit aufnehmen kann.


Feline Infektiöse Anämie

Die Feline Infektiöse Anämie ist eine weltweit vorkommende bakterielle Infektionskrankheit der Katzen. Sie wird durch Bakterien hervorgerufen, welche die roten Blutkörperchen (Erythrozyten) befallen. Bei gesunden Tieren ist die Infektion zumeist harmlos und verläuft ohne klinische Symptome. Bei geschwächten Tieren kann sie jedoch eine akute oder chronische Blutarmut (Anämie) hervorrufen. Die Krankheit ist heilbar, allerdings bleiben die Tiere lebenslang Träger des Erregers und stellen somit eine Infektionsquelle für andere Katzen dar. In der Praxis ist sie insbesondere als Begleiterkrankung von Viruskrankheiten, die zu einer weiteren Verschlechterung des Gesundheitszustandes führt, und als potenzielle Gefahr bei Bluttransfusionen bei Katzen von Bedeutung. Da die Erreger eine hohe Wirtsspezifität besitzen, sind Menschen und andere Tiere als Katzen für diese Krankheit nicht empfänglich.

Erreger
Man unterscheidet heute mehrere Erreger der felinen infektiösen Anämie, die durch neuere Untersuchungen den Mykoplasmen zugeordnet werden. Es handelt sich dabei um auf lebenden Zellen überlebensfähige, gram-negative Bakterien.

Die Erreger befallen die roten Blutkörperchen und führen zu einer Membranschädigung. Die geschädigten Erythrozyten werden daraufhin von weissen Blutkörperchen phagozytiert. Ein Grossteil der Eryrthrozytenelimination erfolgt durch die Makrophagen in der Milz, weshalb Katzen mit entfernter Milz besonders gefährdet sind. Die Menge des beim Abbau der Erythrozyten freigesetzten roten Blutfarbstoffs (Hämoglobin) kann im Regelfall von der Leber verarbeitet werden, so dass es zu keiner Ausscheidung über den Harn kommt.

Für die Pathogenese ist weiterhin von Bedeutung, dass das Immunsystem nicht nur Antikörper gegen die Erreger, sondern auch gegen die Erythrozyten selbst produziert, so dass die Erkrankung zum Teil eine Autoimmunkrankheit darstellt.

Geschichte
Die Krankheit wurde erstmals 1942 in Südafrika beobachtet. Hämotrope Mykoplasmen kommen jedoch weltweit bei vielen Katzen vor, diese Tiere stellen das Erregerreservoir dar. Neben Hauskatzen ist der Erreger auch bei Tigern nachgewiesen worden. In einer Studie zur Situation in der Schweiz 2006 waren etwa neun Prozent der Hauskatzen durch hämotrope Mykoplasmen infiziert. Über akute Erkrankungen gibt es in Europa bislang nur einzelne Fallberichte, darunter auch aus Deutschland und der Schweiz.

Der natürliche Übertragungsweg ist unbekannt. Es wird vermutet, dass blutsaugende Parasiten (Flöhe, Zecken und Läuse )beteiligt sind oder auch Biss- und Kratzverletzungen. Eine Übertragung von der Kätzin auf die Welpen ist ebenfalls möglich, allerdings ist bislang unklar, ob diese über die Muttermilch oder bereits vor der Geburt erfolgt. Ein weiterer Übertragungsweg ist der über Bluttransfusionen.

Klinisches Bild
Die Inkubationszeit beträgt bei experimenteller parentaler Infektion zwischen 2 und 17 Tagen, bei experimenteller peroraler Infektion zwischen drei und sieben Wochen.

Im Regelfall verläuft die Infektion symptomlos. Klinisch tritt eine Erkrankung meist nur bei Schwächung des Immunsystems auf, z B. durch Stress oder andere Erkrankungen, vor allem bei Leukose und Katzenaids. Oft sind junge Tiere unter 3 Jahre von der Erkrankung betroffen. Daneben gelten Katzen mit Freilauf, unzureichend geimpfte Tiere und bereits einmal an von Katzenbissen verursachten Abszessen erkrankte Tiere als Risikogruppe. Das Geschlecht, die Anzahl der im Haushalt lebenden Katzen und der Befall der Tiere mit Flöhen sind keine signifikanten Risikofaktoren.

Die akute FIA zeigt sich in Fieber, reduzierter Nahrungsaufnahme, allgemeiner Schwäche, blassen Schleimhäuten und Milzvergrösserung. Eine Gelbsucht oder Hämoglobinurie tritt nur sehr selten auf. Nach Überstehen der ersten akuten Krankheitsphase treten die Symptome mit jeder erneuten Bakterimiäe immer wieder schubweise auf. Dazwischen liegen symptomlose Intervalle. In seltenen Fällen treten Hautirritationen auf. Bei der chronischen FIA sind die klinischen Symptome schwächer ausgeprägt. Die Körpertemperatur ist normal oder leicht erniedrigt.

Differentialdiagnose
Das klinische Bild ist wenig aussagekräftig. Bei Fieber und Anämie muss diese Erkrankung aber stets in das Diagnosespektrum einbezogen werden.

Andere Infektionskrankheiten, die mit einer Anämie einhergehen, sind Katzenleukose (FeLV), FIP und FIV, allerdings herrscht hier eine nicht-regenerative Anämie vor. Auch in starker Befall mit Endo- oder Ektoparasiten kann eine Anämie verursachen. Die Feline Babesiose ist klinisch nicht von der FIA abzugrenzen und kommt zum Teil mit ihr vergesellschaftet vor.

Die Bedeutung der autoimmungedingen hämolytischen Anämien (AIHA) ist bei Katzen noch ungeklärt. Bislang wurde sie nur im Zusammenhang mit der FIA selbst sowie der Katzenleukose beschrieben.

Des weiteren müssen nichtinfektiöse Ursachen für eine Anämie ausgeschlossen werden, wie beispielsweise Eisenmangel und chronische Blutverluste oder Blasenentzündungen. Schädigungen des Knochenmarks verursachen nicht-regenerative Anämien. Verschiedene Medikamente werden von Katzen relativ schlecht vertragen und können als Nebenwirkung eine Anämie verursachen, wie Azathioprin, Griseofulvin, Paracetamol, Phenazopyridin, Phenylbutazon und Propylthiouracil. Auch genetisch bedingte Enzymdefekte können eine Anämie verursachen, für diese existieren DNA-Nachweise.

Diagnose
Eine exakte Diagnose der felinen infektiösen Anämie ist nur durch den Erregernachweis möglich. Eine regenerative Anämie unterstützt die Diagnose. Nicht-regenerative Anämien durch Mykoplasmen treten vermutlich nur bei gleichzeitiger Infektion mit dem felinen Leukosevirus (FeLV) auf, allerdings ist die Katzenleukose die häufigste Grundkrankheit, die eine FIA begünstigt.

Der Erregernachweis kann über eine Anfärbung von Blutausstrichen erfolgen. Zur Untersuchung sollte möglichst frisches Kapillarblut verwendet werden, da sich die Erreger vor allem bei Zugabe von chelatbildenden Gerinnungshemmern (EDTA) auch von den Erythrozyten ablösen können. Außerdem müssen Blutproben über mehrere Tage entnommen und untersucht werden, da der Erreger nur schubweise im Blut auftritt. Bei einer antibiotischen Vorbehandlung kann der Erregernachweis im Blut negativ sein. Die Sicherheit des Nachweises über einen Blutausstrich wird mit nur etwa 50 % angegeben.

Behandlung
Eine klinisch manifeste Erkrankung ist in etwa 30 % der Fälle tödlich, wenn keine Behandlung erfolgt, wobei die Todesursache die vom Erreger ausgelöste schwere Anämie ist. Die hämotropen Mykoplasmen sind empfindlich gegenüber Doxycyclin und anderen Tetracyclinen. Die antibiotische Therapie sollte über zwei bis drei Wochen erfolgen. Eine unterstützende Therapie zur Stabilisierung des Allgemeinbefindens ist empfehlenswert. Bei schwerer Anämie sind Bluttransfusionen angezeigt.

Da die schädigende Wirkung des Erregers zum Teil über immunvermittelte Mechanismen erfolgt, wird bei schwerer Erkrankung die Verabreichung von Prednisolon empfohlen.

Nach erfolgreicher Behandlung bleiben die Katzen jedoch zumeist lebenslang Träger des Erregers.

Vorbeugung
Da der genaue Übertragungsweg unbekannt ist, ist eine gezielte Prophylaxe schwierig. Empfehlenswert ist eine regelmässige Vorbeugung und Bekämpfung von Ektoparasiten. Hierfür eignen sich Depotpräparate. Katzen, die als Blutspender dienen sollen, sind vorher gründlich auf das eventuelle Vorhandensein der Erreger zu untersuchen.

 


Felines Herpesvirus (FHV-1)

Das Feline Herpesvirus ist ein Erreger des Katzenschnupfens. Es ist hochansteckend und vor allem für Katzenwelpen gefährlich.


Der Erreger

Das in den 1950er jahren entdeckte Feline Herpesvirus (FHV-1) gehört zu der Familie der Herpesviren.
Zusammen mit dem felinen Calicivirus ist es ein Erreger des Katzenschnupfens.

Die Übertragung
Das Virus wird von Katzen über die Nase aufgenommen und es tritt in die Schleimhäute ein. Das Virus vermehrt sich in den Zellen der Schleimhaut und verteilt sich im Rachenraum und den oberen Luftwegen.

Die Übertragung erfolgt über direkten Kontakt, beim Niesen oder gegenseitigem Belecken, aber auch bei der Benutzung gemeinsamer Futternäpfe. Es ist unter bestimmten Umständen lange in der Umwelt haltbar. Ein Reservior für das Virus sind latent infizierte Katzen. Das heißt solche Tiere, die schon einmal unentdeckt eine Infektion durchgemacht haben und das Virus immer noch (auch über Jahre hinweg) in sich tragen.

Häufig sind Kätzchen in den ersten Lebenswochen betroffen, vor allem während der Entwöhnung. Dann ist der Immunschutz am schwächsten und die Krankheit kann ausbrechen.

Die Erkrankung
Durch die Vermehrung des Virus treten Erkrankungen des Nasen- und Rachenraums auf. Dabei können Schwellungen und Rötungen der Schleimhäute, gerötete Augenlieder (Konjunktivitis) und Tränenfluss auftreten. Die Tiere niesen häufig und es kommt zu Ausfluss aus den Nasenöffnungen. Dieser wird in Verlauf der Erkrankung eitrig und sogar blutig. Die Atmung ist schwer behindert.

Meistens verschwinden die Symptome nach 1-2 Wochen spontan, wenn nicht andere Erreger wie Bakterien zusätzlich den geschwächten Körper belasten.

Seltener tritt die Erkrankung auf die Lunge über und kann sogar zum Tode führen.

Die Diagnose
Bei allen Erkrankungen bei denen die Katze niest oder tränende Augen hat sollte man an das Herpesvirus denken. Auch kann es im Labor aus Tupferproben nachgewiesen werden. Allerdings ist ein Nachweis nicht unbedingt erforderlich, da es keine speziellen Medikamente gegen das Virus gibt.

Die Therapie
Bei einer Infektion mit dem Herpesvirus können nur die Symptome, nicht aber das Virus selbst behandelt werden. Betroffene Tiere sollten intensiv und sehr liebevoll betreut werden. Der Tierarzt kann zur Unterstützung der Genesung der Katze Flüssigkeit über den Blutkreislauf zuführen. Die Atemwege sollten stets gereinigt und lokal mit Antibiotika behandelt werden. Das verhindert eine zusätzliche Infektion mit Bakterien.

Die Vorbeugung
Es gibt schon seit den 1970er Jahren Impfstoffe gegen das Herpesvirus. Meistens ist der Wirkstoff in den kombinierten Präparaten, die der Tierarzt bei der jährlichen Standardimpfung einsetzt, enthalten. Um den Schutz zu sichern muss bei der Grundimmunisierung die Impfung nach 3-4 Wochen wiederholt werden.

Eine regelmäßige Impfung des Tieres schützt zwar nicht vor der Ansteckung mit dem Virus, jedoch vor der Erkrankung. Das heißt, auch eine geimpfte Katze kann das Virus in sich tragen und andere Tiere damit anstecken.

 


Feline Fibroadenomatose

(Syn.
Fibroepitheliale Hyperplasie, feline Mammahyperplasie) ist eine hormonell beeinflusste Erkrankung der Milchdrüse der Katzen, die durch eine reversible Zubildung von mesenchymalen und epithelialen Zellen (Fibroadenome) im Gesäuge gekennzeichnet ist. Sie ist Folge hoher Progesteronspiegel und bildet sich nach der Rückbildung des Gelbkörpers im Eierstock zumeist spontan zurück. Die Fibroadenomatose kann auch durch Antiprogesterone oder eine Kastration geheilt werden.

Entstehung
Die Ursache für diese Erkrankung ist bislang ungeklärt. Als gesichert gilt eine Beteiligung des Sexualhormons Progesteron. Die feline Fibroadenomatose entwickelt sich stets in der Phase hoher Progesteronspiegel während des Sexualzyklus, also im Anschluss an die Brunst („Rolligkeit“) während einer Trächtigkeit oder Scheinträchtigkeit. Auch eine medikamentöse Unterdrückung der Rolligkeit durch Hormonbehandlung mit Progestagenen (iatrogen) kann als Nebenwirkung zur Ausbildung einer felinen Fibroadenomatose führen. Progesteron führt zu einer vermehrten Bildung von Wachstumshormon in der Milchdrüse und diese wiederum zu einer Zellvermehrung des Stromas und des Drüsengewebes.

Die Erkrankung tritt vor allem bei jungen Katzen spontan auf. Ältere Tiere sind gewöhnlich nur infolge einer Progesteronbehandlung betroffen.

Symptome
Die feline Fibroadenomatose beginnt zunächst ohne Störung des Allgemeinbefindens. Es kommt zu einer starken Größenzunahme der Gesäugekomplexe, die bis zur Größe einer Orange heranwachsen können.

Sekundär kann es durch diese Größenzunahme zu einer Unterversorgung mit Blut (Ischämie), zum Absterben (Nekrose) des Gewebes infolge des erhöhten Drucks, zu Schwierigkeiten beim Laufen und zu reduzierter Futteraufnahme (Anorexie) kommen.

Behandlung
Die Gesäugezubildung ist reversibel. Mit der physiologischen Zurückbildung des Gelbkörpers (Luteolyse) im Eierstock, dem Ort der Progesteronbildung, bilden sich auch die Fibroadenome wieder zurück. Die künstliche Auslösung der Gelbkörperrückbildung durch Prostaglandin F2α ist aufgrund der starken Nebenwirkungen nicht zu empfehlen.

Eine medikamentöse Behandlung mit Antiprogesteronen wie Aglepriston (Alizin®) führt binnen vier Wochen zu einer Rückbildung der Gesäugevergrößerung. Dabei wird die Injektion am 1. und 7. Tag nach der Erstbehandlung wiederholt. Bei Katzen, die nicht zur Zucht verwendet werden sollen, gilt die Kastration als Mittel der Wahl. Nach der Kastration kommt es ebenfalls zur Rückbildung der Fibroadenome. Zudem wird ein potentielles Wiederauftreten im nächsten Sexualzyklus von vornherein unterbunden. Die Rückbildung dauert bis zu fünf Monate und kann durch die Gabe von Aglepriston beschleunigt werden.

Bei schweren Hautnekrosen und Geschwüren infolge einer starken Vergrößerung, müssen gegebenenfalls die betroffenen Hautareale chirurgisch entfernt werden.

 


Katzenakne / Kinnakne

Als Katzenakne oder Feline Kinnakne bezeichnet man eine Hautkrankheit bei Hauskatzen, deren Ursache nicht geklärt ist. Sie wird als idiopathische Verhornungstörung angesehen, wobei unter Umständen eine verstärkte Talgproduktion, Immunsuppression, Viren und Stress als Faktoren eine Rolle spielen.

Die Erkrankung zeigt sich zunächst, wie bei der Akne des Menschen, in Form kleiner Mitesser am Kinn und der Unterlippe. Bei mittelgradiger Katzenakne kann sich daraus eine Haut- und Lippenentzündung mit Papeln und Krusten, in sehr schweren Fällen eine Furunkulose und Zellulitis entwickeln. Hierbei sind vor allem Sekundärinfektionen durch Staphylokokken, Streptokokken, Malassezien oder Dermatophyten beteiligt.

Differentialdiagnostisch sind vor allem eine Demodikose und eine Dermatophytose auszuschließen. Die Diagnose kann durch eine histologische Untersuchung gestellt werden.

Liegen nur Mitesser vor, ist eine lokale (topische) Behandlung zumeist ausreichend. Hier werden reinigende und hornauflösende Substanzen wie Benzoylperoxid oder Ethyllaktat eingesetzt. Vitamin A-haltige Salben und ein Zusatz ungesättigter Fettsäuren zum Futter fördern den Heilungsprozess. Bei schweren Formen mit Sekundärinfektion sind Antibiotika angezeigt. Bei einer Furunkulose kann lokal Mupirocin eingesetzt werden. Auch der Einsatz von Isotretinoin erwies sich in einem Drittel der Fälle als wirksam.


Psychogene Leckalopezie

Die Psychogene Leckalopezie ist eine Verhaltensstörung bei Hauskatzen, die sich in einem krankhaft gesteigerten Putztrieb äußert und eine Hautentzündung (Dermatitis) mit Haarausfall (Alopezie) hervorruft. Sie ähnelt damit der Akralen Leckdermatitis der Hunde. Die Diagnose der Erkrankung muss durch eine gründliche Ausschlussdiagnostik abgesichert werden. Die Behandlung erfolgt durch eine Verhaltenstherapie und/oder Psychopharmaka.

Vorkommen und Ursachen
Die Psychogene Leckalopezie tritt bei Katzen aller Altersgruppen, Rassen und beider Geschlechter auf. Eine Häufung wird nach Noli und Scarampella bei Siam-, Burma- und Abessinierkatzen, nach Roosje und Willemse bei Siam-, Birma und Europäischer Kurzhaarkatze beobachtet.

Als Hauptursache wird ein empfundener Verlust der Kontrolle über das eigene Territorium angesehen. Dies kann beispielsweise auftreten, wenn neue Personen oder Tiere in den Haushalt aufgenommen werden (oder ihn verlassen), ein Umzug erfolgte oder das Tier vorübergehend in einer anderen Umgebung gehalten (Katzenpension während eines Urlaubs) wurde. Auch andere Stress- und Konfliktsituationen kommen in Frage. Eine fehlende Versteck- und Rückzugsmöglichkeit innerhalb des eigenen Reviers bei empfundener Bedrohung (z.B. durch Besuch fremder Personen) oder ein Auslöser für den Jagdtrieb, der nicht befriedigt werden kann (z.B. ein Vogel im Käfig), kommen in Frage.

Klinisches Bild
Die Psychogene Leckalopezie ist durch einen krankhaft übersteigerten Putztrieb gekennzeichnet. Hierdurch kommt es zum zunehmenden Verlust von Haaren, so dass lichte oder haarlose Stellen entstehen. Am häufigsten betroffen sind der Rücken, der Bauch und die Innenseiten der Hinterbeine. Die Körperpartien werden oft unregelmäßig oder halbseitig stärker beleckt. Bei genauerer Untersuchung mit einer Lupe, im Gegenlicht oder mittels Abtasten können im Regelfall die abgebrochenen Reste der eigentlich gesunden Haarschäfte nachgewiesen werden. Die Haut der kahlen Stellen ist zumeist unverändert oder zeigt leichte Entzündungszeichen. Je nach Rasse können Deck- und Unterfell unterschiedlich stark betroffen sein. Bei beginnender Störung oder leichteren Fällen bleibt oft ein lichter Flaum stehen. Bei sehr stark gesteigertem Putztrieb werden fast alle Haare weggeleckt und es kann durch die raue Katzenzunge zu Hautverletzungen mit Abschürfungen, Geschwüren oder runden rötlichen Effloreszenzen („eosinophile Plaques“) kommen. Durch die vermehrte Aufnahme von Haaren können Erbrechen von Haarbüscheln oder deren Abgang über den Kot auftreten. Die Haare am Rand der haarlosen Stellen erscheinen gesund und lassen sich nicht auszupfen.

Diagnose
Die Diagnose ist schwierig und kann sicher nur durch Ausschluss aller anderen Ursachen von Haarausfall gestellt werden.

Zunächst sollten über ein Hautgeschabsel eine Demodikose und eine Trichoskopie und Pilzkultur eine Hautpilzerkrankung (Dermatophytose) ausgeschlossen werden, die allerdings auch gleichzeitig vorliegen kann. Darüber hinaus sind andere Ursachen für einen Fellverlust, darunter alle mit Juckreiz einhergehenden Erkrankungen auszuschließen. Dazu zählen vor allem allergische Erkrankungen (Futtermittelallergie, Atopie, Flohallergie) und Parasitosen (Katzenfloh, Katzenhaarling, Cheyletiellose).

Darüber hinaus kommen einige weitere Erkrankungen in Betracht, bei denen aber im Regelfall keine Haarstümpfe nachweisbar sind. Das Paraneoplastische Syndrom tritt vor allem bei Adenokarzinomen der Bauchspeicheldrüse auf und äußert sich neben haarlosen Stellen auch in Erbrechen und Durchfall. Bei der Nebennierenüberfunktion ist die Haut zumeist sehr dünn und leicht verletzbar. Die Alopezia areata ist eine seltene Autoimmunerkrankung mit von der gesunden Haut scharf abgegrenzten haarlosen Stellen. Auch die Zuckerkrankheit kann bei Katzen mitunter zu Haarlosigkeit führen. Bei älteren Katzen muss auch an ein Epitheliotropes Lymphom gedacht werden.

Therapie
Die Therapie wird durch einen auf Verhaltenstherapie spezialisierten Tierarzt abgestimmt. Dieser versucht, die Stressursache zu ermitteln und zu beseitigen. Ein Halskragen zur Unterbindung des Leckens wird von solchen Katzen nur selten toleriert.

Zur Therapie der Psychogenen Leckalopezie wurden auch verschiedene Psychopharmaka und Sedativa angewendet, die bis zur Normalisierung des Verhaltens gegeben und anschließend ausgeschlichen werden müssen. Erfolgreich wurden bislang Phenobarbital, Diazepam, Naloxan, Fluoxetin, Clomipramin und Haloperidol eingesetzt.

Die unbehandelte Störung führt zu vermehrtem Leiden der Tiere, Anfälligkeit für sekundäre Erkrankungen sowie gelegentlich zur Ausbildung anderer Symptome im Verhalten, sofern die Ursachen nicht erkannt und beseitigt werden.
 


Kongentiales Vestibularsyndrom

Das Kongenitale Vestibularsyndrom (auch Kongenitales Vestibulärsyndrom) ist eine seltene Erbkrankheit bei Hunden und Katzen infolge einer Fehlbildung des Gleichgewichtsorgans im Innenohr. Sie äußert sich in Kopfschiefhaltung, Koordinationsstörungen und häufig auch Taubheit.

Vorkommen und Ursachen
Das Kongenitale Vestibularsyndrom tritt bei einigen Rassen gehäuft auf. Vermutet wird ein autosomal-rezessiver Erbgang. Bei Hunden sind vor allem Akita-Inu, Cocker Spaniel, Deutscher Schäferhund, Dobermann und Tibet-Terrier, bei Katzen Burma-Katzen und Siamkatzen betroffen.

Betroffene Tiere zeigen eine Fehlbildung des Gleichgewichtsorgans mit fehlenden oder missgebildeten Statolithen sowie häufig auch eine Degeneration der Haarzellen des Corti-Organs in der Hörschnecke.

Klinik
Die Erkrankung zeigt erste Symptome innerhalb des ersten Lebensmonats. Dabei treten Kopfschiefhaltung und Gleichgewichtsstörungen mit Neigung zum Umfallen und leichten Bewegungsstörungen. Meist tritt gleichzeitig eine ein- oder beidseitige Taubheit auf, die durch einen Hörtest oder eine Hirnstammaudiometrie nachgewiesen werden kann. Ein Augenzittern (Nystagmus) tritt, im Gegensatz zu den meisten anderen Gleichgewichtserkrankungen, nicht auf, allerdings lässt sich oft auch kein physiologischer Nystagmus auslösen.

Die Diagnose lässt sich anhand der Rasse- und Altersprädisposition und dem klinischen Bild stellen.

Eine Behandlung ist nicht möglich. Der Krankheitsverlauf ist sehr variabel. Zumeist stellt sich ab dem 2. Lebensmonat eine Besserung ein, da die Funktionsstörung des Gleichgewichtsorgans durch andere Sinne (Gesichtssinn, Propriozeption) ausgeglichen wird, so dass trotz Taubheit ein weitgehend beschwerdefreies Leben möglich ist. Betroffene Tiere sollten allerdings von der Zucht ausgeschlossen werden.



Entropium / Ektropium

Im Gegensatz zum Hund sind Probleme der Augenlider bei der Katze eher selten. Das Einrollen des Unterlids (so genanntes Entropium) kann als Folge einer chronischen Reizung der Binde- oder Hornhaut entstehen. Neben der Behandlung der Grundursache, ist die fehlerhafte Lidstellung durch einen chirurgischen Eingriff korrigierbar. Lidverletzungen und -abszesse kommen hingegen häufig vor und sind meist die Folge von Revierkämpfen. Um die normale Lidfunktion zu erhalten, müssen Liddefekte genäht werden.

Entropium

Beim Entropium ist der glatte Lidrand nicht sichtbar, da das Lid einwärts, also in Richtung Hornhaut, gedreht ist und somit die Fellhaare Kontakt mit der Hornhaut haben. Dies führt zur Irritation der Hornhaut, und die betroffenen Tiere blinzeln oder kneifen das Auge zu.
In chronischen Fällen kann es zur Hornhautulzeration oder zur chronischen Keratitis mit Pigmenteinlagerungen und Einsprossen von Blutgefässen kommen.

Ursache
Erbliches Entropium bei folgenden Hunderassen:

  • Gesamtes Unterlid betroffen: Chow Chow, Shar Pei, Bouvier des Flandres, Rottweiler, Sheltie, Collie, ...

  • Nasales Unterlid betroffen: Mops, Pekinese, Boston Terrier, Lhasa Apso, Shih Tzu, Dandy Dinmont, Japan Chin, ...

  • Temporales Unterlid betroffen: Labrador und Golden Retriever, Neufundländer, Schweizer Sennenhund, ...

  • Sekundäres Entropium aufgrund eines chronischen Lidkrampfes im Zusammenhang mit schmerzhaften Hornhautläsionen (spastisches Entropium), oder als Folge einer schlecht versorgten Lidverletzung (Narbenentropium).

Folgen
Der Kontakt der Haare mit der Hornhaut führt zur chronischen Reizung dieser, und es kommt zu entzündlichen Veränderungen der Hornhaut (Keratitis), wie Neovaskularisation (Einwachsen von Blutgefässen), Pigmentierung, Erosionen und Ulzerationen;

Therapie
Ist aufgrund einer Lidfehlstellung eine Hornhautläsion entstanden, so muss diese entsprechend behandelt werden. Bei Welpen und Junghunden mit erblichem Entropium, sowie beim spastischen Entropium sollten die Lider vorübergehend geheftet werden (keine chirurgische Korrektur !). Bei adulten Hunden mit erblichem Entropium oder Narbenentropium ist eine chirurgische Lidkorrektur erforderlich; eine Lidkorrektur wird in der Regel erst beim ausgewachsenen Hund durch-geführt, da sich durch das Wachstum des Schädels die Lidstellung verändern bzw. selbst korrigieren kann.

Ektropium

Beim Ektropium liegt das Lid am Auge nicht an, sondern hängt nach unten und ist gleichzeitig auswärts gedreht, wodurch die normalerweise verdeckte Bindehaut exponiert ist. Durch die ständige Exposition der Bindehaut kommt es zur Rötung dieser. Häufig ist gleichzeitig die Lidspalte zu gross bzw. zu lange.

Ursache

  • Rassebedingtes, erbliches Ektropium bei folgenden Hunderassen:
    Mastino Napoletano, Molosser, Bernhardiner, Neufundländer, Bluthund, Mastiff, Spaniels, Basset, Schweizer Sennenhund, Deutsche Dogge;

  • Sekundäres Ektropium nach chirurgischer Überkorrektur eines Entropiums.
      

Folgen
Chronische Entzündung der Bindehaut (Konjunktivitis), schleimiger Ausfluss
 

Therapie
Ein Ektropium kann chirurgisch korrigiert werden.
Eine Lidkorrektur wird in der Regel erst beim ausgewachsenen Hund durchgeführt, da sich durch das Wachstum des Schädels die Lidstellung verändern bzw. selbst korrigieren kann.


Häufig sind Lidfehlstellungen mit einer zu grossen oder zu kleinen Lidspalte oder mit Hautfalten im Nasen- und Stirnbereich assoziiert. Bei der chirurgischen Korrektur müssen diese Aspekte mitberücksichtigt werden.
 


Malignes Lymphom

Das maligne Lymphom der Katze (Syn. felines Lymphosarkom) ist eine bösartige (maligne) Tumorerkrankung bei Katzen (Felidae), bei der sich zumeist solide Tumoren in den lymphatischen Organen (Lymphosarkome) bilden. Es ist die häufigste Tumorerkrankung bei Hauskatzen, etwa ein Drittel aller Neoplasien sind bei diesen maligne Lymphome. Hauskatzen sind innerhalb der bislang untersuchten Arten am häufigsten von dieser speziellen Tumorform betroffen. Die Erkrankung ist vergleichbar mit den Non-Hodgkin-Lymphomen des Menschen. Das klinische Bild ist sehr variabel und hängt von der Lokalisation und Größe des Tumors ab. Die Heilungsaussicht mit einer Chemotherapie ist nicht immer befriedigend, bei malignen Lymphomen des Wirbelkanals ist sie schlecht.

Ätiologie
Ein möglicher Auslöser des malignen Lymphoms ist das feline Leukämievirus (FeLV), ein Retrovirus. Nach einer schottischen Studie sind in Europa aber nur ein Drittel der betroffenen Katzen FeLV-positiv, in Nordamerika dagegen 70%. Jedoch lässt sich auch bei den meisten der seronegativen Katzen ein für FeLV typisches Antigen, das sogenannte FOCMA (feline oncornavirus-associated cell membrane antigen), nachweisen. Es wird vermutet, dass bei der Mehrzahl der Fälle der Organismus in der Lage war, das Virus zu eliminieren, allerdings erst nachdem das Virus eine maligne Transformation der lymphatischen Zellen ausgelöst hat.

In Abhängigkeit vom Vorhandensein eines FeLV-Antikörper-Titers ergibt sich eine zweigipflige (bimodale) Altershäufigkeit. Während die meisten Erkrankungen bei FeLV-positiven Tieren im Alter von 3 Jahren auftreten, liegt das mittlere Alter bei FeLV-negativen Tieren bei 7 Jahren. Prinzipiell sind alle Katzenrassen empfänglich. Mit dem Rückgang der FeLV infolge Impfungen ist das Auftreten maligner Lymphome jedoch nicht zurückgegangen. Vor allem bei älteren Tieren sind nach aktuellen Studien nur noch wenige Tiere mit einem malignen Lymphom auch FeLV-positiv. In jüngerer Zeit treten vor allem Lymphome im Darm auf, Zusammenhänge mit entzündlichen Darmerkrankungen und Katzenfutter und chronischen Entzündungen werden augenblicklich diskutiert.

Ein weiteres katzenspezifisches Virus, das feline Immundefizienz-Virus (FIV, Katzen-AIDS-Virus) wird in deutlich geringerem Ausmaß ebenfalls mit der Entstehung von malignen Lymphomen in Zusammenhang gebracht. Auch eine kombinierte Wirkung beider Viren wird diskutiert.

Einteilung
Für das maligne Lymphom sind mehrere Einteilungsschemata möglich, die auf unterschiedlichen Kriterien beruhen.

Nach der Lokalisation der Tumoren findet ein modifiziertes WHO-Schema Anwendung. Die Häufigkeit der einzelnen Formen ist regional unterschiedlich. Die folgende Liste ist nach der Anzahl der weltweit berichteten Fälle geordnet.

  1. Mediastinales malignes Lymphom: Hier liegt der Tumor im Mittelfell (Mediastinum).

  2. Gastrointestinales malignes Lymphom: Hier sind Magen (lat. Gaster) und Darm (Intestinum) Sitz des Primärtumors.

  3. Peripheres malignes Lymphom: Bei dieser Form sind die peripheren Lymphknoten betroffen.

  4. Leukämische Leukose: Bei dieser Form kommt es zu einer Vermehrung der weißen Blutzellen im Blut (Leukämie).

  5. Sonstige maligne Lymphome: In diese Gruppe werden Lymphosarkome eingeordnet, die nicht in einem lymphatischen Organ, sondern beispielsweise in der Haut, im Zentralnervensystem oder der Niere lokalisiert sind.

Nach der Rappaport-Einteilung unterscheidet man gut oder schlecht differenzierte, knotenförmige (noduläre) oder diffuse sowie großzellig-histiozytäre und kleinzellig-lymphozytäre maligne Lymphome.

Nach der Dignität werden geringradig (etwa 10%), mittelgradig (35%) und hochgradig maligne (55%) Lymphome unterschieden.

Nach den Ausgangszellen werden T-Zell-Tumoren, die vermutlich den Hauptteil stellen, und B-Zell-Tumoren unterschieden. Letztere sind vor allem bei FIV-assoziierten und gastrointestinalen malignen Lymphomen anzutreffen. Eine genauere Aussage kann hier allerdings noch nicht erfolgen, weil die wenigsten Studien molekulare Marker für diese Lymphozyten-Untertypen verwendeten.

Mediastinales malignes Lymphom

Ein mediastinales malignes Lymphom geht von den lymphatischen Organen im Mittelfell aus. Häufig ist es der Thymus, aber auch die Mediastinal- (Lymphonodi mediastinales) oder Brustbeinlymphknoten (Lymphonodi sternales) können Ausgangspunkt sein. Diese Form tritt besonders bei den jüngeren, FeLV-positiven Tieren auf.

Klinisch äußern sich diese Lymphome in allgemeiner Schwäche und Anorexie. In Folge der Einengung der Lungen und der Luftröhre in Atemnot oder erhöhter Atemfrequenz. Infolge der Einengung der Speiseröhre kann Regurgitieren oder Trinkunlust auftreten. Die Schleimhäute können blass oder aufgrund eines Sauerstoffmangels bläulich verfärbt sein (Zyanose). Bei der Perkussion des Brustkorbs können Veränderungen auftreten.

Eine Röntgenuntersuchung zeigt eine Verschattung im präkardialen (vor dem Herz befindlichen) Mittelfell. Differentialdiagnostisch müssen hier Flüssigkeitsansammlungen (Hydro-, Pyo-, Chylothorax, Feline Infektiöse Peritonitis) und Zwerchfellhernien ausgeschlossen werden. Eine Ultraschalluntersuchung kann zur Darstellung des Tumors dienlich sein, vor allem wenn er mit einer Flüssigkeitsansammlung kombiniert ist.

Eine Diagnose ist anhand einer Biopsie des Tumors mittels Feinnadelaspiration und anschließender zytologischer Untersuchung möglich.

Gastrointestinales malignes Lymphom

In diese Gruppe werden Lymphosarkome des Magen-Darm-Kanals oder der dazugehörigen Lymphknoten (Lymphocentrum coeliacum, mesentericum craniale und caudale) eingeordnet. Einige Autoren ordnen auch Lymphosarkome der Leber in diese Gruppe ein. Sie sind bei FeLV-positiven Tieren eher selten (10% der Fälle), aber häufigste Lokalisation bei älteren Tieren und vorwiegend B-Zell-Tumore. Die Tumoren können als solitäre Knoten, aber seltener auch diffus in der Submukosa auftreten. Etwa 20% der Fälle betreffen den Magen, die übrigen den Darm.

Das klinische Bild hängt von der Lokalisation ab. Neben Fressunlust und Abmagerung kann Erbrechen (v.a. bei soliden Tumoren), Durchfall (diffuse) und bei Blutungen auch Anämie auftreten.

Größere solide Tumoren können unter Umständen bereits durch die Bauchwand ertastet werden. Weitere Hinweise können eine Sonografie, eine Endoskopie oder Laparatomie geben. Die Diagnose wird wiederum durch Biopsie und Zytologie gestellt.

Peripheres malignes Lymphom

Beim peripheren malignen Lymphom (auch multizentrische Leukose) sind die Lymphknoten außerhalb der Körperhöhlen betroffen. Diese Lokalisation ist bei Katzen, im Gegensatz zum malignen Lymphom bei Hunden, selten. Klinisch äußert sich die Erkrankung unspezifisch, es treten zumeist schmerzlose Vergrößerungen der Lymphknoten auf. Später können Metastasen in Leber, Milz und Knochenmark auftreten.

Die Diagnose erfolgt durch Biopsie oder Entfernung des ganzen Lymphknotens und anschließender histologischer Untersuchung.

Leukämische Leukose

Bei der leukämischen Leukose (oder Lymphoid-leukämischen Form) ist primär das Knochenmark betroffen und entartete Lymphozyten zirkulieren im Blut (Leukämie). Fieber, Schwäche, Anorexie, Gelbsucht, Fieber, Blutarmut (Anämie) und blasse Schleimhäute sind häufig.

Sonstige maligne Lymphome

Maligne Lymphome der Niere machen etwa 15% der Fälle aus und treten vor allem bei älteren Tieren auf. Die Blutwerte für Harnstoff und Kreatinin sind erhöht. In fortgeschrittenen Fällen kommt es zu einem Nierenversagen.

Maligne Lymphome des Zentralnervensystems kommen meist bei FeLV-positiven jüngeren Tieren vor oder in Anschluss an eine Chemotherapie von Nieren-Lymphosarkomen. Die Tumoren treten vor allem im Wirbelkanal auf und das klinische Bild hängt sehr stark von der Lokalisation und vom Ausmaß der Kompression des Rückenmarks ab. Die neurologischen Ausfälle reichen von Paresen, Ataxien bis hin zu Hyperästhesien. Röntgenologisch lassen sich zumeist keine Veränderungen der Wirbel nachweisen, allenfalls eine Myelografie kann Hinweise auf einen raumfordernden Prozess bringen. Differentialdiagnositsch sind eine Reihe von anderen zentralnervösen Erkrankungen auszuschließen, wobei man sich am besten am VETAMIN D-Schema orientiert.

Maligne Lymphome der Haut sind selten und treten allenfalls bei sehr alten Katzen (>11 Jahre) auf. In der Oberhaut können sogenannte Pseudo-Abszesse auftreten oder auch tieferliegende und eher diffus verteilte Ansammlungen von Lymphozyten.

Weitere mögliche Lokalisationen maligner Lymphome sind die Nasenhöhle, die Bindehaut und das Auge.

Therapie

Bei FeLV-positiven Tieren ist ein Therapieversuch nur sinnvoll, wenn eine von anderen Katzen getrennte Haltung möglich ist (einzeln lebende Wohnungskatze), da diese Tiere ansonsten eine Gefahr für die Katzenpopulation darstellen.

Als Mittel der Wahl hat sich die Chemotherapie erwiesen. Im Gegensatz zur Humanmedizin zeigt diese Behandlung nur geringe Nebenwirkungen und wird von den Katzen gut vertragen. Bislang wurden verschiedene Protokolle für die Chemotherapie vorgeschlagen, umfassende klinische Studien zur Vergleichbarkeit stehen aber noch aus. Ein verbreitetes Behandlungsschema ist die Kombination aus Vincristin, Cyclophosphamid und Prednisolon. Mit diesem sogenannten COP-Protokoll konnten Remissionsraten von bis zu 80% erreicht werden, besonders erfolgversprechend ist es bei mediastinalen und peripheren malignen Lymphomen. Nach Remission wird zumeist eine monatliche Behandlung mit Doxorubicin oder Idarubicin zur Verhinderung von Rezidiven durchgeführt. Der Erfolg einer Chemotherapie ist aber nicht vorhersehbar und die Remissionsraten sind geringer als bei Hunden.
Lokale Therapien (chirurgische Entfernung, Bestrahlung) können bei einzelnen Tumoren angezeigt sein, aber auch hier ist anschließend eine Chemotherapie zur Rezidivverhinderung angebracht.
Die Behandlung maligner Lymphome des Wirbelkanals ist bislang wenig erfolgreich.

 


Diskoider Lupus erythematodes

Als Diskoiden Lupus erythematodes (DLE) bezeichnet man in der Tiermedizin die Hautform des Lupus erythematodes, einer Autoimmunerkrankung. Er manifestiert sich vor allem am Nasenspiegel und entspricht weitgehend dem Chronisch-diskoiden Lupus erythematodes (CDLE) des Menschen.

Vorkommen
Der Diskoide Lupus erythematodes tritt bei Hauskatzen und Haushunden auf. Bei Hunden wird eine Häufung bei Schäferhunden (Deutscher Schäferhund, Belgischer Schäferhund, Collie, Shetland Sheepdog), Siberian Husky, Epagneul Breton und Deutsch Kurzhaar beschrieben.
Die Hauptmanifestation ist am Nasenspiegel. Seltener sind die Haut-Schleimhaut-Übergänge am Maul und Auge, die Ohrmuschel, Vagina und Hodensack oder die Extremitäten betroffen.
Die Erkrankung zeigt häufig eine jahreszeitliche Dynamik. Im Sommer sind infolge direkter Sonneneinstrahlung die Symptome ausgeprägter.

Klinik
Die primären Hautveränderungen des DLE sind Pigmentverlust (Hypopigmentierung) und Hautrötung. Durch ein Ödem verstreichen die Furchen des Nasenspiegels und erscheinen somit glatt.

Im weiteren Verlauf entstehen Erosionen, Geschwüre, Krusten und an behaarten Stellen auch Haarausfall. An Nasenspiegel und Ballen kann eine Hyperkeratose auftreten. Neben Hypopigmentierung kann sich auch eine übermäßige Pigmenteinlagerung (Hyperpigmentierung) entwickeln.
Bei Katzen manifestiert sich ein DLE vor allem an der Ohrmuschel mit Rötung, Geschwüren, Krusten und Schuppen.
Differentialdiagnostisch sind vor allem Pyodermie, Leishmaniose, Dermatomyositis, Pemphigus vulgaris und Pemphigus erythematosus. Die Diagnose wird anhand einer Hautbiopsie gestellt.

Therapie
Eine Therapie ist im Regelfall lebenslang notwendig. Da die DLE häufig durch bakterielle Sekundärinfektionen verkompliziert ist, ist eine Behandlung mit Staphylokokken-wirksamen Antibiotika sinnvoll. Beim DLE reicht in den Wintermonaten oft eine lokale Anwendung von entzündungshemmenden Salben (Hydrocortison, Betamethason, Fluocinolon, Amcinolon).

Bei Nichtanprechen einer lokalen Therapie muss eine systemische Therapie durchgeführt werden. Bei Hunden wird dabei eine Kombination von Tetracyclin und Nicotinamid als Therapie der Wahl angesehen, die eventuell mit einer lokalen Therapie ergänzt wird. Hochgradige DLE können mit einer Immunsuppression mit Glukokortikoiden angegangen werden. Allerdings ist diese stets mit Nebenwirkungen verbunden (bei Hunden iatrogenes Cushing-Syndrom, bei Katzen gelegentlich Diabetes mellitus). Bei Hunden kann auch Azathioprin eingesetzt werden. Bei Katzen ist Azathioprin kontraindiziert (tödlicher Knochenmarkschwund), hier kann Chlorambucil versucht werden.



Ischämische Myopathie

Die Ischämische Myopathie ist eine häufigere neurologische Erkrankung der Hauskatze mit Lähmung der Hinterbeine. Sie tritt vor allem im Zusammenhang mit Herzerkrankungen (Kardiomyopathie) auf. Die Erkrankung hat einige pathophysiologische Gemeinsamkeiten mit dem „Kippfenstersyndrom“, verläuft allerdings schwerer als dieses. Das Kippfenstersyndrom kann als eine Unterform der Ischämischen Myopathie angesehen werden.

Ätiologie und Pathogenese
Die Ischämische Myopathie entsteht durch eine Thrombose der Aorta, die vor allem im Bereich der Endaufzweigung, also am Abgang der beiden Arteriae iliacae externae auftritt. Dadurch kommt es zu einer Ischämie (Blutunterversorgung) der hinteren Extremitäten. Zusätzlich wird durch die Thrombozyten Serotonin freigesetzt, welches zu einer Gefäßverengung und damit zu einer Minderdurchblutung auch nicht direkt betroffener Blutgefäße führt.

Symptome
Die Erkrankung tritt perakut auf und ist, im Gegensatz zum Kippfenstersyndrom, mit starken Schmerzen verbunden. Das Ausmaß der klinischen Symptome hängt von der Lage des Thrombus ab und davon, ob das Gefäß vollständig oder nur partiell verlegt ist. Klinisch äußert sie sich in einer Paraparese oder Paraplegie, also einer teilweisen oder vollständigen Lähmung der beiden Hinterextremitäten. Der Puls an der Arteria femoralis (Oberschenkelarterie) ist deutlich vermindert oder fehlt ganz. Die Pfoten sind kalt und insbesondere der Bereich der Krallen und Ballen zeigt häufig bläuliche Verfärbungen (Zyanose).

Die Reflexe der Hintergliedmaße (Patellarsehnenreflex und Flexorreflex) sind stark reduziert oder fallen ganz aus.

Kommt es zusätzlich zu einer ischämischen Schädigung des Rückenmarks, so treten auch Sensibilitätsverluste auf.

Diagnose und Differentialdiagnose
Die Diagnose kann zumeist bereits aufgrund des Vorberichts und der klinischen Symptome gestellt werden (perakute Nachhandlähmung ohne Trauma). Eine bestehende Herzerkrankung liefert weitere Hinweise. Per Echokardiographie kann eine Neigung zur Ausbildung von Thromben im Bereich des linken Herzvorhofes recht genau festgestellt werden. Per EKG feststellbares Vorhofflimmern stellt hierbei einen zusätzlichen Risikofaktor dar. Die Aktivität des Enzyms Kreatininkinase ist erhöht. Der Aortenthrombus kann eventuell sonografisch festgestellt werden, gegebenenfalls kann auch eine Angiografie oder Elektromyografie durchgeführt werden.

Differentialdiagnostisch ist vor allem ein Trauma des Rückenmarks (Verkehrsunfall, Fenstersturz) auszuschließen, das auf ein vom Besitzer eventuell nicht beobachtetes Geschehen zurückzuführen ist. Auch Tumoren im Rückenmark oder Wirbelkanal können Nachhandlähmungen auslösen, die sich allerdings zumeist allmählich entwickeln.

Therapie
Therapeutisch kann eine Auflösung des Thrombus (
Thrombolyse, zum Beispiel mit Streptokinase) versucht werden. Auch Mittel zur Hemmung der Blutgerinnung (Heparin) oder Thrombozytenaggregation (Acetylsalicylsäure) können eingesetzt werden. Zur Verhinderung zusätzlicher Gefäßkrämpfe können Anti-Serotoninpräparate (z. B. Cyproheptadin) verabreicht werden. Die chirurgische Beseitigung des Thrombus wird in der Tiermedizin aufgrund der damit verbundenen Risiken zumeist nicht durchgeführt.

Zur Reduktion der Schmerzen ist eine Gabe von stark wirkenden Schmerzmitteln (z. B. Carprofen, Levomethadon), unter Umständen auch eine Sedierung (z. B. mit Acepromazin) angebracht.
Die Prognose ist unsicher bis schlecht, je nach Ausmaß der Schädigungen. Auch nach einer Rekanalisation im Bereich des Thrombus kommt es häufig zu Rezidiven durch eine neuerliche Embolie.

 


Fibrosarkom

Das feline Fibrosarkom stellt mit ca. 40% aller Fälle die zweithäufigste Hauttumorform bei Katzen dar. Hierbei wird vermutet, dass ein Zusammenhang der Tumorbildung mit Injektionen besteht, da die Neubildungen oft in Impflokalisationen an der seitlichen Brustwand oder im Nackenbereich lokalisiert sind.

Da zudem häufig Hilfsstoffe des FeLV-Impfstoffes in Fibrosarkomen nachgewiesen wurden, werden Fibrosarkome oft auch als impfassoziierte Sarkome bezeichnet.
Sie treten jedoch auch an anderen als den Impflokalisationen auf und werden vermutlich durch lokale Entzündungsreaktionen nach Hautverletzungen gefördert. Die Prävalenz der Erkrankung liegt bei 0,01 bis 0,036 Prozent. Die Tumore sind bösartig und führen unbehandelt zum Tod der Katze. Dabei neigt der Tumor weniger zur Ausbildung von Fernmetastasen; vielmehr wächst er lokal infiltrativ in das umgebende Gewebe hinein.
Die Ausbildung einer Pseudokapsel gibt ihm dabei häufig den Anschein einer guten Abgrenzung gegen das umliegende Gewebe.

Die einzige Möglichkeit der Therapie stellt bisher die chirurgische Entfernung des Tumors dar. Bei einer alleinigen Entfernung der Pseudokapsel ergibt diese Behandlung kaum zufriedenstellende Ergebnisse, da in ca. 70% aller Fälle der Tumor wieder nachwächst. Wesentlich bessere Erfolge erzielt ein radikales chirurgisches Vorgehen, bei dem nach allen Seiten mindestens 3cm Abstand zum tastbaren Tumor gehalten wird. In der Tiefe wird ebenfalls großzügig Gewebe entfernt (bei Bedarf Teile der Brustwand und sogar Rippen).
Diese Form der Chirurgie ist infolge der hierbei auftretenden Gewebsdefekte recht anspruchsvoll und sollte nur von erfahrenen Chirurgen durchgeführt werden. Tritt der Tumor an Extremitäten auf, ist ihre Amputation meist die Therapie der Wahl.
Als zusätzliche Therapie sind Bestrahlungen und verschiedene Chemotherapie-Protokolle möglich. 

 


Thiaminmangel-Enzephalopathie

Thiaminmangel-Enzephalopathie der Katze ist eine bei Katzen auftretende metabolisch-toxische Gehirnerkrankung (Enzephalopathie) infolge eines Mangels an Thiamin (Vitamin B1). Sie entspricht damit der Beriberi bzw. der Wernicke-Enzephalopathie des Menschen, der Chastek-Paralyse der Pelztiere und der Zerebrokortikalnekrose der Wiederkäuer.

Ursache und Pathogenese
Als Ursache spielt vor allem ein hoher Anteil von rohem Fisch in der Nahrung eine Rolle, da der Darm von Fischen Thiaminase (ein Vitamin B1-spaltendes Enzym) enthält. Weiterhin können übermäßig konserviertes Dosenfutter und eine reduzierte Futteraufnahme einen Vitamin B1-Mangel hervorrufen.

Da Thiamin als Coenzym im Kohlenhydrat-Stoffwechsel eine besondere Bedeutung für die Energieversorgung des Gehirns hat, kommt es bei einem Mangel zu Degeneration von Nervenzellen, Gefäßerweiterung und punktförmigen Blutungen, vor allem im Bereich des Hirnstamms. Betroffen sind vor allem die Kerngebiete des Nervus vestibularis und Nervus oculomotorius, der Nucleus ruber, die Colliculi caudales, das Periaquäduktale Grau, der seitliche Kniehöcker, die Basalganglien und der Kleinhirnwurm.

Klinik
Die Erkrankung beginnt zunächst unspezifisch mit reduzierter Futteraufnahme und manchmal Erbrechen. Als neurologische Symptome kommen eine durch die Kleinhirnschädigung ausgelöste Bewegungsstörung (Ataxie), erweiterte und kaum auf Lichteinfluss reagierende Pupillen, Anfälle, eine Abwärtsbiegung des Halses hinzu. Im Endstadium fallen die Tiere ins Koma und sterben schließlich.

Neben dem Vorbericht (Fischfütterung) und den klinischen Symptomen sind im Blut und Hirnwasser erhöhte Konzentration von Brenztraubensäure und Laktat sowie eine verminderte Aktivität der Transketolase in den roten Blutkörperchen nachweisbar.

Im Frühstadium ist die Heilungsaussicht durch Gabe von Thiamin gut. Mit zunehmenden neurologischen Symptomen wird die Prognose dagegen immer schlechter, da die Zerstörung der Nervenzellen irreversibel ist.

 


Feline Hyperthyreose

Die feline Hyperthyreose ist eine Störung des Hormonsystems bei Hauskatzen (feline, Adjektiv von lat. felis „Katze“), die durch eine Überfunktion der Schilddrüse (Hyperthyreose) gekennzeichnet ist. Sie ist bei über zehn Jahre alten Katzen die häufigste hormonelle Störung (Endokrinopathie), bei anderen Haustieren ist eine Hyperthyreose dagegen deutlich seltener anzutreffen. Die Erkrankung äußert sich häufig durch einen Gewichtsverlust trotz erhöhter Nahrungsaufnahme, wird in der Regel anhand von Blutuntersuchungen nachgewiesen und ist gut behandelbar.

Vorkommen
Die feline Hyperthyreose wurde erstmals 1979 beschrieben und wird seitdem zunehmend bei Katzen diagnostiziert. Unklar ist, ob es sich wirklich um eine erst seit jener Zeit auftretende und im Zunehmen befindliche Erkrankung handelt oder ob die zunehmende Überwachung der Katzenpopulation hinsichtlich dieser Erkrankung zur Aufdeckung von mehr Fällen führt. Die Erkrankung ist die häufigste endokrine Störung bei Katzen, die älter
als zehn Jahre sind. Es sind alle Katzenrassen betroffen, eine erhöhte Krankheitsneigung für bestimmte Rassen oder eine Abhängigkeit vom Geschlecht besteht nicht.

Pathogenese
Im Gegensatz zur Hyperthyreose des Menschen ist die Erkrankung praktisch
ausschließlich auf gutartige Tumoren, sogenannte autonome Adenome, zurückzuführen, wobei etwa 70% der Fälle viele kleine Herde (multifokal) und die übrigen einen einzelnen Adenomherd (unifokal) zeigen. Schilddrüsenkrebs kann in seltenen Fällen ebenfalls eine Hyperthyreose auslösen, ist bei Katzen aber sehr selten (weniger als 5% der Schilddrüsenerkrankungen). Immunbedingte Hyperthyreosen wie beim Menschen (Hashimoto-Thyreoiditis, Basedow-Krankheit) wurden bislang bei Katzen nicht beschrieben.

Infolge der Adenome (oder selten Karzinome) kommt es zu einer vermehrten Ausschüttung des Schilddrüsenhormons Thyroxin, in drei Viertel der Fälle auch des Triiodthyronins (ein weiteres Hormon der Schilddrüse). Die Ausschüttung dieser Hormone ist bei erkrankten Katzen unabhängig vom die Schilddrüse normalerweise regulierenden Thyreotropin (TSH). Was diese Adenome auslöst, ist bislang ungeklärt. Einen Einfluss könnten Ernährung und Umwelteinflüsse, aber auch genetische Faktoren haben.

Die Fütterung von kommerzieller
Katzennahrung stellt laut epidemiologischen Studien einen Risikofaktor für die Entstehung der Krankheit dar, was auf den hohen Gehalt an schilddrüsenvergrößernden (strumigenen) Substanzen wie Sojaisoflavone oder Phthalaten zurückgeführt wird. Katzen, die mit Dosenfutter ernährt werden, haben ein 2,5–5fach erhöhtes Risiko, an einer Hyperthyreose zu erkranken.
Daneben sind auch Umweltfaktoren wie die Verwendung b
estimmter Katzenstreus möglicherweise an der Krankheitsentstehung beteiligt. Neuere Untersuchungen auf molekularer Ebene zeigten bei hyperthyreoten Katzen eine verminderte Expression des G-Proteins G(i2). Dies führt zu einer vermehrten cAMP-Bildung und dies wiederum zu einer Fehlregulation der Mitose und zu einer erhöhten Hormonproduktion. Auch polybromierte Diphenylether (PBDE), die als Flammschutzmittel in Textilien eingesetzt werden (in der EU und in einigen US-Bundesstaaten sind sie mittlerweile verboten), könnten durch ihre endokrine Wirkung an der Pathogenese beteiligt sein: Die chronisch erhöhte TSH-Produktion könnte zu einer Hypertrophie der Schilddrüsenfollikel führen.

Klinisches Bild
Das klinische Bild ist sehr variabel und hängt auch vom Ausmaß der Überfunktion ab. Letztlich sind die meisten beobachteten Symptome Zeichen forcierter Stoffwechselvorgänge der erkrankten Tiere, welche durch das Übermaß an Schilddrüsenhormonen bedingt sind.

Das häufigste Anzeichen ist eine Gewichtsabnahme, die bei 88% der hyperthyreoten Katzen auftritt. Weitere Anzeichen mit einer Häufigkeit von etwa 50% sind eine tastbare Vergrößerung der Schilddrüse (die gesunde Schilddrüse ist bei der Katze nicht tastbar), Herzrasen und Herzgeräusche sowie eine erhöhte Nahrungsaufnahme bis hin zur Fresssucht. Das Überangebot an Schilddrüsenhormonen kann das klinische Bild einer hypertrophen (häufiger) oder dilatativen Herzmuskelerkrankung (selten) hervorrufen. Das Krankheitsbild wird auch als thyreotoxische Kardiomyopathie bezeichnet. Die hypertrophe Form ist nach erfolgreicher Therapie der Hyperthyreose häufig reversibel.

Weitere Symptome, die gelegentlich bei einer Schilddrüsenüberfunktion auftreten, sind ein vermehrtes Stuhlvolumen, Erbrechen, vermehrter Durst und vermehrtes Urinieren, eine erhöhte Aktivität (deutlich seltener auch eine verminderte mit schneller Ermüdbarkeit), Verhaltensänderungen (Ängstlichkeit oder gesteigerte Aggressivität), verminderte Futteraufnahme, Atemnot und Hautveränderungen (struppiges Fell, Haarausfall, vermehrtes Wachstum der Krallen). Bluthochdruck wird bei 5–20% hyperthyreoter Katzen beobachtet, eine eindeutige Ursache-Wirkungsbeziehung ist aber bislang nicht belegt.

Diagnose
Aufgrund des klinischen Bildes kommen eine Reihe weiterer Krankheiten älterer Katzen wie Zuckerkrankheit, chronisches Nierenversagen, Herzkrankheiten, Leberversagen, Verdauungsstörungen und chronische Darmentzündungen sowie Lymphom
e im Darm in Frage. Auch bei Katzen seltene Erkrankungen wie die exokrine Bauchspeicheldrüsen- oder Nebennierenunterfunktion sollten berücksichtigt werden. Die Diagnose kann daher sicher nur durch Hormonbestimmungen oder Szintigrafie (siehe unten) gestellt werden. 

Therapie
Derzeit existieren drei Therapiemöglichkeiten zur Behandlung der Hyperthyreose bei Katzen: der Einsatz von Thyreostatika, die chirurgische Entfernung des erkrankten Schilddrüsengewebes und die Radioiodtherapie. Egal welches dieser Verfahren angewendet wird, ist zumeist eine anschließende Behandlung der Begleit- und Folgeerkrankungen (Nierenschädigung, Bluthochdruck, Herzerkrankung) notwendig. Um den möglichen negativen Effekt der gesenkten Schilddrüsenhormonspieg
el auf die Nierenleistung zu prüfen, wird vor radikalen Maßnahmen wie Schilddrüsenentfernung oder Radioiodtherapie eine 30-tätige medikamentelle Behandlung empfohlen.

Thyreostatika
Die
Therapie mit Thyreostatika ist einfach durchführbar und wird daher am häufigsten angewendet. Thyreostatika hemmen die Bildung der Schilddrüsenhormone, beseitigen aber, im Gegensatz zu den anderen Verfahren, nicht das krankhaft veränderte Gewebe. Dennoch können diese Arzneistoffe in Dauertherapie zumeist problemlos angewendet werden oder auch zur Stabilisierung von Patienten vor einem chirurgischen Eingriff Anwendung finden. In der Tiermedizin wird vor allem Thiamazol (Syn. Methimazol, als Felimazole® zur Zeit einziges in Deutschland für Katzen zugelassenes Präparat), manchmal auch Carbimazol eingesetzt. Carbimazol wird bei oraler Aufnahme schnell in Methimazol umgesetzt. Nach Herstellerangaben treten bei etwa 20% der Katzen, vor allem bei Langzeitbehandlung, Nebenwirkungen (Erbrechen, Lethargie, Juckreiz, Lebererkrankungen, Blutbildveränderungen) auf, die nach Absetzen des Medikaments aber zumeist wieder verschwinden. Zudem kann Thiamazol nicht bei Katzen mit gleichzeitiger Lebererkrankung, Zuckerkrankheit oder Blutgerinnungsstörungen eingesetzt werden.

Im Falle einer Unverträglichkeit von Thiamazol kann auch Iopansäure eingesetzt werden. Es hemmt die Umwandlung von T4 zu T3 und hat praktisch keine Nebenwirkungen.

Thyreoidektomie
Die chirurgische Entfernung (Thyreoidektomie) ist zwar effektiv, aber vor allem bei stark hyperthyreoten Katzen wegen des hohen Narkoserisikos auch riskant. Hier wird zumeist eine Vorbehandlung mit Thyreostatika empfohlen. Für die Entfernung existieren verschiedene Techniken, wobei darauf geachtet werden muss, dass möglichst die Epithelkörperchen erhalten werden. Zudem besteht bei der Operation das Risiko der Verletzung wichtiger Halsnerven (Nervus laryngeus recurrens, Truncus vagosympathicus). Bei totaler Thyreoidektomie entsteht ein Mangel an Schilddrüsenhormonen, der durch lebenslange Gabe ausgeglichen werden muss. Bei einseitiger Entfernung entwickelt sich nach der Operation zwar auch oft eine zeitweilige Schilddrüsenunterfunktion, die aber meist nicht behandelt werden muss. Zudem besteht bei der operativen Entfernung das Risiko von Rezidiven, insbesondere, wenn ektopisches Schilddrüsengewebe vorhanden ist.

Radioiodtherapie
Die Radioiodtherapie gilt als Therapie der Wahl, da sie effektiv und gut verträglich ist. Eine einmalige Beh
andlung ist in der Regel ausreichend, so dass keine medikamentöse Dauerbehandlung (eine Tabletteneingabe ist bei einigen Katzen durchaus problematisch) notwendig ist und die Risiken der chirurgischen Entfernung entfallen. Allerdings ist sie mit erheblichen Strahlenschutz-Auflagen verbunden und deshalb bislang in Deutschland nur an zwei tiermedizinischen Einrichtungen verfügbar. Neben der begrenzten Verfügbarkeit sind die damit verbundenen Kosten und der notwendige stationäre Aufenthalt von Nachteil. Dieser konnte in enger Abstimmung mit den zuständigen Aufsichtsbehörden von früher etwa drei Wochen auf einige Tage reduziert werden. Die notwendige Dauer der Unterbringung wird über Dosimetrie bestimmt und beträgt sieben bis zehn Tage.

Thermische oder chemische Zerstörung der Schilddrüse
Die Zerstörung des Schilddrüsengewebes mit einem Radiochirurgiegerät unter Ultraschallkontrolle (thermische Ablation) oder durch Injektion von 96%igen Ethanol (chemische Ablation) spielt praktisch keine Rolle mehr. Beide Behandlungsformen haben vermehrt Nebenwirkungen wie Kehlkopflähmung oder Horner-Syndrom.

 


Kippfenster-Syndrom

Eine der gefährlichsten “Katzenfallen” sind angekippte Fenster. Das Verletzungsrisiko durch gekippte Fenster wird vielfach unterschätzt, doch kommt es zu einem Unfall sind die Folgen oft schwerwiegend. Tiere die sich nicht selbst befreien können oder von Menschenhand befreit werden, sterben zwangsläufig.

Katzen hangeln sich durch den Spalt des gekippten Fensters, sei es aus Spieltrieb, Neugier, Freiheitsdrang oder sonstigen Gründen, schaffen es aber nicht immer auf diese Weise nach draußen zu gelangen. Bleiben sie in dem Spalt hängen geraten sie bei ihren Befreiungsversuchen immer tiefer und fester in den Spalt hinein. Die Verletzungen die sie sich dabei zuziehen werden als Kippfenster-Syndrom bezeichnet.

Meist sind die Tiere im Bereich des Rumpfes zwischen Brustkorb und Becken eingeklemmt, daher finden sich die Verletzungen auch in diesem Bereich. Zu den häufigsten klinischen Befunden zählen Nachhandschwäche sowie schlechter Allgemeinzustand. Abhängig davon wie lange eine Katze in dem Fensterspalt einklemmt war und wie heftig ihre Befreiungsversuche waren, variiert der Schweregrad der Verletzungen von leichten Lähmungserscheinungen bis zu schweren neurologischen Schäden im Bereich der Hintergliedmaßen und völliger Lähmung. (siehe auch: Ischämische Myopathie der Katze)

Katzen die Opfer eines Kippfensters geworden sind müssen nach ihrer Befreiung durch den Menschen umgehend einem Tierarzt vorgestellt werden der die Katze sorgfältig untersucht und die Verletzungen akut versorgt. Dazu gehören u.a. Röntgenaufnahmen, gründliche neurologische Untersuchungen, Elektrophysiologische Untersuchungen, Wärmetherapie, gegebenenfalls eine Kortisontherapie. Meist ist auch eine entsprechende Schockbehandlung und eine weitere Beobachtung des Tieres notwendig.

Spätfolgen sind nicht auszuschließen!

 


Lungenwürmer

Krankheit und Symptome
Alle aufgeführten Lungenwürmer der Katze lokalisieren sich in den Atemwegen. Es ist kl
ar, dass dies eine dauernde Reizung für den Körper darstellt, und dass es in der Folge zu
Entzündungen in der Trachea, den Bronchien und tiefen Luftwegen kommt. Die Reaktion ist aber stark davon abhängig, wie viele Würmer sich im Atmungstrakt befinden. Bei einem geringen Befall wird man der Katze kaum etwas anmerken. Nimmt die Anzahl jedoch zu, kommt es zu einem chronischen Husten. Starker Befall mit Aelurostrongylus kann auch zu Nasen- und Augenausfluss und einem schlechten Allgemeinzustand führen. Die Tiere magern ab, und wenn nicht behandelt wird, können sie an der Infektion sterben.

Diagnosestellung
In der tierärztlichen Praxis kann sich ein erster Verdacht auf Lungenwurmbefall bei chronischem Husten
ergeben. Je nachdem kann auch ein Röntgenbild einen Hinweis auf den Parasitenbefall liefern (die Würmer sind darauf natürlich nicht sichtbar, aber die Veränderungen der Lunge auf Grund der Entzündungsreaktionen). Die eigentliche Diagnose erfolgt jedoch durch den Nachweis der Wurmlarven im Kot oder in einer Trachealspülprobe. Die Larven lassen sich auf Grund charakteristischer Merkmale am Hinterende unterscheiden. Schwieriger wird es bei Capillaria-Infektionen, da ein Nachweis der Eier noch nicht zwingend auf einen Lungenbefall hindeuten muss.

Behandlung
Die Behandlung mit gängigen Wurmmitteln ist nicht immer von Erfolg gekrönt. Oft sind mehrtägige
Therapien und Wiederholungsbehandlungen notwendig, um diesen Parasiten den Garaus zu machen. Es ist daher wichtig, vorgängig eine klare Diagnose zu haben und den Therapieverlauf im Auge zu behalten. Es kann nicht erwartet werden, dass sich der Husten gleich am ersten Behandlungstag auflöst. Auch wenn die Würmer abgetötet werden, müssen sie zuerst abtransportiert oder abgebaut werden, was mit weiteren Entzündungsreaktionen verbunden ist. Erst im Anschluss können die geschädigten
Atemwege repariert werden, was wiederum einige Zeit in Anspruch nimmt.

Zusammenfassung
Auch wenn Lungenwürmer bei der Katze in der Schweiz eher eine Randerscheinung sind, sollten sie bei Atemwegserkrankungen als mögliche Ursache in Betracht gezogen wer
den. Als wichtigster Lungenparasit dürfte Aelurostrongylus abstrusus gelten. Die anderen zwei hier erwähnten Lungenwürmer, Crenosoma vulpis und Capillaria aerophila, sind eher

als Wildtierparasiten zu bezeichnen und treten nur in Einzelfällen bei Katzen auf. Allen ist gemeinsam, dass sie für ihre Entwicklung einen Zwischenwirt benötigen. Es handelt sich dabei um Schnecken bzw. für Capillaria um Regenwürmer. Aelurostrongylus kann sich jedoch in für die Katze attraktiveren Beutetieren wie Vögeln, Echsen oder Mäusen einnisten, die solche Schnecken gefressen haben; dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit, von Katzen aufgenommen zu werden.

Somit ist auch klar, dass Wohnungskatzen ohne Freilauf keinem Ansteckungsrisiko ausgesetzt sind. Eine direkte Übertragung von Katze zu Katze ist nicht bekannt. Ein Befall kann zu chronischem Husten, in schwerwiegenden Fällen sogar bis zum Tod führen. Bei Verdacht auf Lungenwürmer sollte versucht werden, die Larven im Kot oder in einer Trachealspülprobe nachzuweisen. Auf jeden Fall sollte bei Husten und anderen Atemwegsproblemen eine tierärztliche Praxis aufgesucht werden. Dort können die notwendigen Untersuchungen durchgeführt und bei Bedarf auch die entsprechende Wurmtherapie eingeleitet werden.
Autor: Dr. Heinz Sager
Institut für Parasitologie, Universität Bern

 


Felines Asthma-Syndrom (FAS)

Katzen mit Felinem Asthma atmen pfeifend und schwerfällig. Asthma kann für Katzen tödlich sein und oft sind menschliche

Gewohnheiten der Auslöser. Daher liegt es auch am Tierhalter die Symptome zu erkennen und der Katze umgehend Hilfe zukommen zu lassen. Das anfallsartige Husten wird oft mit Heraufwürgen von Fellballen verwechselt. Beim Asthma kann man auch gelegentlich pfeifende/giemend oder keuchende Atemgeräusche hören. Die Atemnot kann soweit gehen, dass die Katze mit geöffnetem Maul atmet und mit nach außer gedrehten Vordergliedmaßen dasitzt. Dieser Zustand ist lebensbedrohlich und sollte sofort tierärztlich versorgt werden.

Felines Asthma ist eine Krankheit die bei der Katze die mittleren und kleinen Atemwege ( Bronchien) betrifft. Die Aufgabe der Bronchien ist es die Atemluft über die Luftröhre bis in die Alveolen ( Luftbläschen ) zu transportieren. Hier findet dann der Gasaustausch statt.

Ursache
Als Ursache für Felines Asthma wird eine Reaktion des Lungengewebes auf inhalierte Allergene vermutet. Allergene sind Substanzen die imstande sind eine allergische Antwort hervorzurufen. Bei gesunden Tieren bleibt diese Reaktion aus.

Nicht immer sind die Allergene zu identifizieren, oft sind es jedoch Pollen, Zigarettenrauch, Katzenstreu, Pilzsporen, Hausstaubmilben, Umweltgifte, Putzmittel, Parfüm oder auch Federn von gefiederten Mitbewohnern.

Bei Felinem Asthma führt eine ständige Reizung der Atemwege zu einer chronischen Bronchitis ( Entzündung der Bronchien). Dann wandern Entzündungszellen in das Lungengewebe und verändern dieses dauerhaft. Felines Asthma kann also oftmals nicht vollständig geheilt werden, aber die Symptome können durch eine Therapie deutlich verbessert werden.

Diagnose
Die Verdachtsdiagnose kann nach einer genauen Untersuchung gestellt werden. Hierzu gehört eine sorgfältige Anamnese ( Vorbericht des Tierhalters), sowie eine Blutuntersuchung und Röntgenbilder der Lunge. Auch macht eine BAL ( bronchoalvioläre Lavage) Sinn, um herauszufinden welche Zellen in der Lunge vorherrschend sind, auch könnte eine parasitologische Untersuchung und eine Endoskopie weiter helfen.

Dies ist notwendig da sowohl eingeatmete Allergene, als auch Pilze , Bakterien, reizende Substanze ( Gase), Lungenwürmer oder eine chronische Bronchitis die gleichen Beschwerden hervorrufen können. Es können auch verschiedene Ursachen gleichzeitig bestehen. Die Therapie ist in allen Fällen sehr ähnlich.

Behandlung
Falls nötig sollte ein Antibiotikum gegen Bakterien eingesetzt werden.Das wichtigste ist es jedoch die Reize zu reduzieren oder abzustellen:

    • Zigarettenrauch

    • Staub ( z.B. staubiges Katzenstreu)

    • geschlossene Katzentoilette

    • Teppichschaum

    • Sprays (Haarspray, Insektenspray, Parfum und etc.)

Auch kann es helfen bei übergewichtigen Katzen das Gewicht zu reduzieren um die Atmung zu erleichtern und den Sauerstoffbedarf zu vermindern. Es sollte Stress vermieden werden.

Gut für die Katze ist Frischluft, Raumluft ist oft zu trocken. Also regelmäßig lüften und die Raumluft anfeuchten, besonders im Winter.

In Notfällen wird dem Patienten erst einmal Sauerstoff zugeführt. Zur weiteren Therapie stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung z.B. Broncho

dilatatoren ( diese lösen die verkrampften und engen Luftwege und stellen diese wieder weit) und Kortisonpräparate ( Abschwellend und entzündungshemmend sowie eine Unterdrückung der allergischen Reaktionen). Bei machen Patienten ist es sogar möglich Inhalatoren einzusetzen in denen oft bei Wirkstoffgruppen vertreten sind.

Die Prognose ist abhängig von der Ursache und vom Schweregrad der Symptome, sowie das ansprechen auf die Therapie. Gelingt es die Ursache z.B. Zigarettenrauch zu finden und zu beseitigen, ist die Prognose sehr gut. Sind allerdings schon Schäden in den Atemwegen entstanden kann man den Prozess nur verlangsamen und eine Verschlechterung verhindern.
 


Schilddrüsenüberfunktion

Die Krankheitssymptome
Die Abmagerung trotz des guten Appetits ist für die Besitzer/innen häufig der auffälligste Hinweis, dass mit ihrem Tier etwas nicht in Ordnung ist. Obwohl bei einer
Schilddrüsenüberfunktion sowohl der Eiweissauf- wie auch der Eiweissabbau im Körper gesteigert ist, resultiert der Eiweissabbau. Dies vermag auch die grössere Futteraufnahme nicht zu kompensieren. Deshalb entsteht insgesamt eine negative Energiebilanz und die Katze verliert an Muskelmasse und letztlich an Gewicht. Der erhöhte Energieumsatz führt andererseits zu vermehrter Bildung von Körperwärme, was eine Ursache für häufiges Hecheln darstellt. Oft sind diese Tiere dann auch ruhelos, tigern im wahrsten Sinne des Wortes umher und suchen kalte Ruheplätze auf. Plötzlich schläft eine Katze auf dem kalten Fliesenboden des Badezimmers oder gar in der Dusche. Trotz der scheinbar erhöhten Aktivität sind diese Tiere aber nicht mehr belastbar. Unmotiviertes, v. a. nächtliches Schreien kann wahrgenommen werden. Weiter können sie ein mattes Haarkleid oder starkes Krallenwachstum aufweisen. Andere Katzen werden mit chronischem Erbrechen mit oder ohne Durchfall, extremem Durst und erhöhtem Harndrang vorgestellt. (Die unten stehende Tabelle zeigt eine Übersicht der möglichen klinischen Symptome.) Generell handelt es sich um eine magere, struppige Katze im Alter von 8 Jahren oder älter mit Magen-Darmproblemen, aber gutem Appetit.

Die Lage und Funktion der Schilddrüse
Die Schilddrüse ist ein Hormon produzierendes Organ, das aus zwei getrennten
Drüsenlappen besteht. Diese befinden sich im Normalfall bei der Katze beidseits der Luftröhre und sind äusserlich weder sicht- noch ertastbar. Die Zellen der Schilddrüse sind für die Herstellung und Speicherung der Schilddrüsenhormone Thyroxin (T4), Trijodthyronin (T3) sowie diverser inaktiver Vorstufen dieser Hormone verantwortlich. Grundsätzlich kann die Wirkung der Hormone zusammengefasst werden als Stoffwechsel steigernd, Sauerstoff verbrauchend und Eiweiss aufbauend. Sie aktivieren in zahlreichen Organen die Stoffwechselvorgänge, allerdings nicht überall in gleicher Intensität. Das erklärt auch die oben beschriebenen Symptome wie gesteigerte Aktivität und Fresslust mit Abmagerung. Betrachtet man die Eigenschaften der Schilddrüsenhormone, so ähneln sie einem Dopingmittel.

Wieso kommt es aber zu einer vermehrten Produktion dieser Hormone?
Bei der Mehrheit der betroffenen Katzen liegt eine Überfunktion beider Schilddrüsenlappen vor. Meist sind es Adenome (gutartige Tumoren), die zu einer Vergrösserung des Organs führen. Welche Faktoren zu der doch recht häufigen Erkrankung der älteren Katz
e führen, sind bis heute nicht bekannt. Es wird übers Futter bis hin zur Geografie spekuliert. Seltener beruhen Schilddrüsenüberfunktionen auf dem Vorkommen von bösartigen Tumoren des Drüsengewebes, den Adenokarzinomen. Diese kommen dann nur in einem
Schilddrüsenlappen vor. Zu den ebenfalls seltenen Ursachen gehört auch das im Brustkorb "verstreute" hyperaktive Schilddrüsengewebe. Sowohl die gutartigen wie auch die bösartigen Tumoren und das verstreute Schilddrüsengewebe haben die Eigenschaft, zu viel Schilddrüsenhormone zu produzieren.

Klinische Befunde
Die Schilddrüsenüberfunktion ist die häufigste hormonelle Störung bei über 8-jährigen Katzen. Die Symptome entwickeln sich meist schleichend, sodass die Tiere dem Tierarzt sehr oft erst in einem fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung vorgestellt werden. Abgesehen vom äusseren Erscheinungsbild kann man häufig im Gegensatz zur gesunden Katze vergrösserte Schilddrüsenlappen ertasten. Auch beim Herzen zeigen sich durch Auskultation, d. h. durch Abhorchen, Geräusche bzw. eine hohe Frequenz und ein unregelmässiger Herzrhythmus. Diese Untersuchung kann durch EKG und Ultraschall des Herzens ergänzt werden.

Klinische Symptome                                      Klinische Befunde

Gewichtsverlust                                                  Abmagerung
Gesteigerte Futteraufnahme                            Tastbare Schilddrüse
Struppiges Fell                                                   Hyperaktivität
Grosser Durst                                                     Rascher unregelmäßiger Herzschlag
vermehrter Harnabgang                                    Herzgeräusch
Erbrechen                                                           kleine Nieren
Nervosität                                                            Rasche Ermüdung
Durchfall                                                               Agressivität
Reduzierter Appetit
Zittern
Schwäche
Atemnot
Hecheln, Atemnot

 

Häufige Begleiterkrankungen
Nebst den Problemen, welche die Schilddrüsenüberfunktion s
elbst verursacht, kommt es ausserdem als Folge davon oft zu Begleiterkrankungen, deren Symptome oben bereits erwähnt wurden. Dabei werden wichtige Organe
beeinträchtigt.

Herzmuskelerkrankung: Auch der Herzmuskel wird durch die Schilddrüsenüberfunktion zu Höchstleitungen getrieben, was zu einer Verdickung der Herzmuskelwände und zu einem rascheren Herzschlag führen kann. Mit der Zeit ermüdet dann der Herzmuskel und kann die Leistung nicht mehr beliebig dem körperlichen Bedarf anpassen. Es kommt zu einer Herzschwäche mit allgemein reduzierter Belastbarkeit. Zusätzlich können ein Lungenödem („Wasser auf der Lunge“) oder ein Brusthöhlenerguss („Wasser in der Brusthöhle“) auftreten, was sich v. a. in Atemnot äussert. Bei stark fortgeschrittenen Herzproblemen sind die Symptome bereits in Ruhe vorhanden und die Tiere können an den Folgen des Herzversagens sterben.

Nierenfunktionsstörungen können parallel zu einer Schilddrüsenüberfunktion auftreten und verlangen insbesondere im Zusammenhang mit einer Therapie eine gute Überwachung. Deshalb sollten die Nierenwerte in regelmässigen Abständen kontrolliert werden.

Magen-Darmstörungen treten ebenfalls häufig begleitend auf. Diese sind hauptsächlich auf Störungen der Darmbewegungen und der Nahrungsaufnahme im Darm zurückzuführen.

Diagnose
Auf Grund des klinischen Bildes und der Befunde der klinischen Untersuchung (vgl. Tabelle) kann meist eine Verdachtsdiagnose gestellt werden:
Ein erhöhter Schilddrüsenhormonwert (T4) im Blut ist ein verlässlicher Gradmesser zur Bestätigung der Diagnose. Jedoch kann sich der T4-Wert zu Beginn einer Erkrankung oder bei begleitenden anderen Allgemeinerkrankungen noch im Normalbereich befinden. In diesem Fall sollte der T4-Wert wiederholt bestimmt werden. In unklaren Fällen und insbesondere, wenn das klinische Bild sehr typisch ist, die Laborwerte die Befunde jedoch nicht bestätigen, können weitere Hormonbestimmungen (fT4), ein TRH-Provokationstest oder Schilddrüsenscanning resp. szintigrafische Untersuchung durchgeführt werden. Letzterer Test kann nur in einer Spezialklinik durchgeführt werden. Das fT4 oder auch freies T4 ist eine Untergruppe des bereits erwähnten wichtigen Schilddrüsenhormones T4. Auch dieser Wert kann bei einer Überfunktion erhöht sein. Beim TRH-Provokationstest wird der Katze ein Hormon injiziert, das im Normalfall die Schilddrüse zu einer vermehrten Ausschüttung von T4 bewegen sollte. Im Falle einer Schilddrüsenüberfunktion kommt es auf Grund eines durch die Krankheit bedingten erschöpfungsähnlichen Zustandes der Schilddrüse nicht zu dem normal gewünschten T4-Anstieg. Mit Hilfe einer radioaktiv markierten Substanz, die sich in die funktionierenden Anteile des Schilddrüsengewebes einlagert, können diese dann in einem bildgebenden Verfahren,
dem Scanning, dargestellt werden. Somit können einzeln veränderte Areale bis hin zu mehreren aktiven Knoten oder gar Metastasen unterschieden werden.

Behandlungsmöglichkeiten
Ist die Diagnose einmal gestellt, bieten sich drei Therapiemöglichkeiten an:
die chirurgische Entfernung der Schilddrüse, die medikamentelle Unterdrückung der Schilddrüsenhormonproduktion oder die radioaktive Iodtherapie. Eine potenzielle Heilung ist durch die Operation und die Iodtherapie möglich. Die Medikamente verhindern lediglich die übermässige Hormonwirkung und müssen lebenslänglich täglich verabreicht werden.

Operation
Soweit es der Allgemeinzustand der Katze zulässt, gilt eine operative Entfernung der Schilddrüse heute noch als Therapie der Wahl. Es muss jedoch abgeschätzt werden, ob das Anästhesierisiko für die Katze nicht zu hoch ist. Auch sollte vor einem Eingriff die Nierenfunktion überprüft werden. Bei einem Verdacht auf ektopisches (verstreutes) Schilddrüs
engewebe müssen szintigraphische Untersuchungen (s. o.), bei Verdacht auf einen bösartigen Tumor eine Suche nach Metastasen erfolgen. Nach der Operation kann es wegen der unmittelbaren Nachbarschaft der Nebenschilddrüse, die ein wichtiges Organ für die Kalziumregulation ist, zu Kalziumhaushaltstörungen (Kalziummangel) kommen. Die betroffenen Tiere beginnen zu zittern, werden unruhig und können Krämpfe zeigen. Diese können lebensbedrohlich werden, wenn sie unbemerkt und unbehandelt bleiben. In solchen Fällen muss das Kalzium kontrolliert werden, und wenn nötig wird Kalzium ergänzt. Nach der Entfernung beider Schilddrüsenlappen besteht ausserdem die Gefahr einer Schilddrüsenunterfunktion, die jedoch häufig nur vorübergehend einer Therapie bedarf, da meist noch verbleibendes Schilddrüsengewebe die Funktion übernehmen kann. In sehr seltenen Fällen kommt es durch die Verletzung nahe gelegener Nerven zu deren Funktionsverlust, was sich u. a. in Stimmverlust und verstärkten Atemgeräuschen äussert. Diese möglichen Probleme sind selten, sprechen daher beim operationsfähigen Tier nicht gegen die Entfernung der Schilddrüse.

Medikamentelle Behandlungsmethoden
Bei dieser Therapiewahl wird die Behandlung meistens mit schilddrüsenhemmenden
Medikamenten durchgeführt. Die Hormonwerte werden auf diese Weise in den Normalber
eich korrigiert. Gelegentlich können Nebenwirkungen wie Erbrechen, Appetitverlust bis Futterverweigerung, seltener Blutbildveränderungen und Hautausschläge auftreten. Meist verschwinden diese Symptome rasch von selbst wieder. Andernfalls muss die bereits erwähnte Operation oder die medikamentelle Therapie mit Gaben von radioaktivem Iod in Betracht gezogen werden: Das verabreichte und nun in der Schilddrüse eingelagerte Iod
bestrahlt und macht somit das Gewebe durch den radioaktiven Zerfall funktionsunfähig. Bei dieser Behandlungsmethode müssen die Tiere in eine dafür eingerichtete Klinik überwiesen werden und dürfen diese erst nach Erreichen einer Mindeststrahlenmenge wieder verlassen. Im Durchschnitt ist dies nach acht bis zwölf Tagen der Fall.

Prognose
Die Prognose ist stark vom allgemeinen körperlichen Zustand zum Zeitpunkt der Diagnose abhängig. Bestehen noch keine Folgeschäden an Organen, ist die Prognose gut, d. h. die Katze kann noch lange Zeit mit guter Leben
squalität leben (wenn auch je nach Therapiewahl mit Medikamenten), zumal die chirurgische Methode sowie die Iod- Therapie eine totale Heilung ermöglichen können. Monate bis Jahre nach dem chirurgischen Entfernen der Schilddrüsen ist ein Rückfall möglich, weil das verbleibende Restgewebe mit der Zeit wieder zu einer Überfunktion führen kann. Liegen jedoch bereits irreparable Organschäden z. B. an Niere oder Herz vor, ist die Prognose ungünstig. In einer solchen Situation muss man bezüglich des Schweregrades der einzelnen Krankheiten Prioritäten setzen. Ist beispielsweise das Herz bereits kurzfristig der limitierende Faktor, muss sicherlich eine Stabilität dieses Organs angestrebt werden. Dasselbe gilt für die Nieren. Erlangt man eine Stabilität unter guter Lebensqualität, kann in zweiter Linie die Schilddrüsenüberfunktion angegangen werden.

Bei einer älteren Katze mit verschiedensten Symptomen muss immer an eine Schilddrüsenüberfunktion gedacht werden. Denn es handelt sich doch um eine häufige Krankheit. Aber nicht jede Katze zeigt ein struppiges Fell, Abmagerung bei gesteigertem Appetit und sucht kühle Plätze auf. Diese Tatsache kann die Diagnosestellung schon mal erschweren.
Autorin: Dr. med. vet. Angela Keiser-Semder,
Tierklinik Obergrund Luzern