Polydaktylie (Vielzehigkeit)


Polys
- was sind das denn für Katzen?

 

Wird man als Katzenliebhaber unvorbereitet mit einer polydaktilen Maine Coon Katze konfrontiert, so fallen einem sofort die extrem großen Vorderpfoten und / oder Hinterpfoten auf.


Hudson PP / H - Wurf 8 Wochen

In amerikanischen Volkssagen behauptet man, dass diese langhaarigen Katzen wilde Jäger waren und ihre großen Pfoten dazu benutzten um lebende Fische aus den Flüssen zu fangen.
Die Polydaktylie entwickelte sich durch eine spontante Mutation vor vielen Jahren in wilden Maine Coons, die im Staate MAINE/ Nordamerika lebten. Die ersten polydaktilen Katzen schienen mit ihren Extrazehen recht glücklich gewesen zu sein, sonst wäre die Mutation längst ausgestorben, wie das mit vielen unpraktischen Mutationen geschieht. Die Eigenschaft wurde weitergegeben und verbreitete sich unter den sogenannten "Coon Katzen" Maines. Diese genetische Spezialität ist auch heute noch immer in den wilden Coons zu finden.

Früher sollen etwa 40% der ursprünglich wildlebenden Foundation Maine Coons diese Polydaktylie (Vielzehigkeit) getragen haben.

Die Coonies mit den Extrazehen haben wohl tatsächlich einen Vorteil gegenüber normalen Pfoten: Sie tragen SCHNEESCHUHE! So haben sie in den harten Wintern Maines und Canadas wirklich eine bessere Chance, in Eis und Schnee zu überleben. Multifunktionelle Extra-Haken, um auf eisigen Felsen und Baumstämmen zu klettern, oder um besser Fische und Mäuse zu fangen, größere Pfoten, die nicht so leicht im Schnee versinken, oder einfach die bessere Bodenhaftung bei jeder Witterung.


Hudson PP / H - Wurf 4 Wochen

Polydaktylie ist keine Mißbildung oder Deformation, wie so oft fälschlicher weise  behauptet wird. Es verursacht weder Schmerzen, noch führt es zur Gehunfähigkeit. Es ist auch keine Qualzucht, wie deutsche Wissenschafter behaupten und sie führt auch nicht zum früheren Tode des Tieres.
Im Gegenteil: polydaktile Lebewesen, ob Mensch oder Tier, haben gelernt, die zusätzlichen Finger oder Zehen sinnvoll einzusetzen. Es ist kein Geheimnis, daß polydaktile Maine Coons wesentlich flinker und wendiger sind als ihre schmalfüßigen Schwestern und Brüder. Sie haben einen kräftigeren Knochenbau und sind geschickte Kletterer, wesentlich mutiger und absolut begnadete Jäger. Beute, einmal gefangen, entschlüpft diesen Pfoten nie mehr, weil sie komplett umfaßt wird.

Im Staate Maine sind diese Schneeschuhkatzen als Haustiere sehr beliebt, wenn nicht sogar die EINZIG WAHRE Maine Coon, wenn man den Mainer fragt.

Jahrhundertelang war die polydaktile Maine Coon der Inbegriff der Maine Coon Katze.
Erst den Züchtern der Neuzeit war es vorbehalten, diese Katze als Mißgeburt zu diskreditieren und sie als Gesundheitsrisiko aus den Reihen der Zuchtkatzen zu entfernen. Dabei wurde ein wichtiger Faktor gänzlich übersehen: In ungezählten Pedigrees tauchen unter den Vorfahren polydaktile Katzen auf, ohne Auswirkung auf die Gesundheit oder Beweglichkeit unserer Katzen zu haben....

Polydaktile Maine Coons sind selten in der Zucht, nur wenige Catteries in Deutschland und weltweit haben polydaktile zuchtfähige Katzen, weil der Maine Coon Standard die Mehrzehigen aus der Champions-Kategorie ausschließt. Der Grund dafür ist, dass das Gen, das die Vielzehigkeit verursacht, sehr unterschiedlich wirkt. Obwohl es ein dominantes Gen ist, tritt es nur bei etwa 50 % der Kitten auf und kann bei der am meisten vorkommenden Form der Polydactylie bei jedem der Wurfgeschwister anders aussehen - ist also variabel in der Ausprägung.

Es ist unklar, warum diese harmlose Variante nicht für den Showstatus zugelassen wird, während andere Züchtungen mit tödlichen Charakteristika zugelassen werden. Nach "The Book of The Cat (Wright, Walters, 1980) vererben die Manx, die Scottish Fold und die Japanese Boptail genetische Defekte. Die Gene der Manx und der Japanese Boptail können Jungtiere produzieren, die Abnormitäten in der unteren Region des Rückenmarks aufweisen. Jungtiere können lebend mit offenem Rückgrat als Krüppel geboren werden. Katzen mit Ohren, gefaltet wie die einer Scottish Fold, können Abnormitäten aufweisen wie Knorpelwachstum rund um die Pfoten, eine Einschränkung der Lauffähigkeit. 

Da das Gen für Polydaktilie ein dominantes Gen ist, ist es möglich, es aus einer Linie herauszuzüchten. Genauso muss, damit Poly`s fallen, mindestens ein Elternteil eingesetzt werden, das Polydaktilie hat. Das Polygen ist keine rezessive Eigenschaft, also muss es in irgendeiner Form vorliegen, wenn Poly-Jungtiere fallen sollen. Es wurde bei Polyzüchtern beobachtet, dass die Jungtiere ohne Poly bei einem Poly-Elternteil einen scheinbar schwereren Knochenbau haben als Jungtiere einer Verpaarung ohne Poly. Die stärkeren Knochen sind häufiger in den vorderen Beinen und im Brustkorb wahrnehmbar. Einige Züchter berichten, dass die extra Zehe größer und breiter wirkt als die doppelte Rückkralle (sog. Daumen).


Hudson PP / H - Wurf 15 Wochen

Polys können in den verschiedensten Katzen-Zuchtbüchern in den USA, z.B. die Cat Fanciers Association (CFA) und The International Cat Association (TICA) registriert werden.

Um eine Poly im Stammbaum zu kennzeichnen, wird traditionell ein "P" (2WD / Poly nur an den Vorderpfoten) oder "PP" (4WD / Poly an Vorder- und Hinterpfoten) an einer beliebigen Stelle im Namen eingefügt.
Poly`s können bisher leider keinen Champion-Status auf Ausstellungen erringen, da zusätzliche Zehen eine Abweichung vom Showstandard sind. Aber das wird sich sicher bald ändern!
 

Zur Anschaffung einer Poly Maine Coon muss man sich zeitweise sogar auf eine Warteliste setzen lassen, da es Weltweit nur eine begrenzte Anzahl von Polyzüchtern gibt. Zusätzlich ist für eine Poly Maine Coon etwas mehr zu bezahlen!

Es gibt 2 Arten der Ausprägung der Polydactylie. Das ist zum einen die Patty Foot Form und zum anderen die Mittens Foot Form.

 

Die "Hamburger / Patty Foot" Form verleiht der Pfote ein Aussehen, das an einen Hamburger (kreisrund) oder ein kleines Pastetchen erinnert. Das kommt dadurch zustande, dass das Gen nicht an der Innenseite der Pfoten ansetzt, sondern in der Mitte oder außen, indem es mehr als 4 Finger erzeugt. Die zusätzlichen Finger / Zehen sind also welche, die aus 3 Finger-/ Zehengliedern bestehen.

Die "Mittens" Form verleiht vor allem den Vorderpfoten das Aussehen, als würde die Katze Fausthandschuhe (mitten pawed engl. = Fausthandschuh, Fäustlinge) tragen. Das kommt dadurch zustande, dass das Polygen hier an der Innenseite der Pfote wirkt, und zwar kann es dies auf 2 Arten tun:  

1. ) Es kann an den Vorderfüßen die sog."Afterkralle" (englisch Dewclaw) zu einem Daumen (Thumb) verlängern, also zu einer Zehe, die länger ist als normal, aber nur 2 und keine 3 Fingerglieder hat und damit nicht so lang ist wie die 4 anderen Zehen.

2.) kann es die Afterkralle verfielfältigen - die lange und die kurze Form (also Daumen und Dew Claw) dieser Afterkralle.

Das einzige Problem scheint: wenn die Nägel nicht geschnitten werden, kann eine Zeheninfektion auftreten oder eine ständig wiederkehrende traumatische Verletzung. Die Zehennägel neigen dazu, zu lang zu wachsen und können in einem Halbkreis in den Ballen wachsen. Viele Tierärzte glauben nicht, dass Polydaktylie eine Deformation sei. Es ist als Anomalie zu betrachten, und eine Anomalie ist definiert als "Abweichung von der Regel oder normalen Form" (Funk & Wagnalls Standard College Lexikon, 1973).


Übrigens, die Polydaktylie gibt es nicht nur bei der Maine Coon oder beim Menschen!
So gibt es verschiedene Rassen unter den Säugetieren, die diese Vielzehigkeit seid ihrer Entstehung entwickelt haben und bis heute hat sich daran nichts geändert...
So zum Beispiel auch der Norwegische Lundehund.

Lundehunde wurden zur Jagd auf norwegische Papageitaucher, die Lunde, eingesetzt. Sie haben einige erstaunliche Fähigkeiten entwickelt. Die Lundehunde haben als einzige Hunderasse sechs Zehen an jedem Lauf, wovon die sechste höher angeordnet ist und dem Hund einen guten Halt beim Klettern gibt. Ein besonderer Schultergürtel macht es dem Tier möglich, die beiden Vorderläufe im 90°-Winkel seitlich wegzustrecken. Der Kopf lässt sich bis an die Wirbelsäule nach hinten biegen, wodurch sich der Hund "kürzer" machen kann. Um die Papageitaucher nicht zu stark zu verletzen haben sie bis zu acht Backenzähne weniger. Weiterhin ist ein Lundehund durch eine Querfalte im Ohrenknorpel in der Lage, die normalerweise spitz nach oben stehenden Ohren zuzuklappen, um seine Gehörgänge vor Schmutz und Tropfwasser zu schützen.  

...oder das Riesenmeerschweinchen :-) Die Heimat der Cuys ist ursprünglich Südamerika.
Den Namen Cuy erhielten die Nager von den indianischen Ureinwohnern Südamerikas.
Abgeleitet wurde der Name wahrscheinlich vom typischen quiekenden Laut den die
Tiere von sich geben. Übersetzt bedeutet Cuys ganz einfach " Meerschweinchen ".
 
Cuy´s haben eine Besonderheit, dass wäre die sogenannte POLYDAKTYLIE (Vielzehigkeit).